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Bonaire - Holland in der Karibik

Es ist geschafft, fast dreihundert Seemeilen hat Mark auf dem Bugspriet der IRON LADY ohne nennenswerte Seekrankheit überstanden ! Als Belohnung erscheint nun am frühen Morgen das Tauchparadies Bonaire am Horizont. Mark hat schon fast die Brille im Gesicht und die Flossen an den Füssen, während wir um die Südspitze schaukeln, den Kurs nach Norden ändern und endlich in ruhigem Wasser Hoch am Wind nach Kralendijk segeln. Wind von hinten, 3 - 4 Meter Welle, elendes Gewackel, alles vorbei. Die Lady fliegt, die Skipper strahlen und an Steuerbord ziehen flache Wüstenlandschaft, Salzseen und aufgeräumte bunte Häuschen vorbei.


Ankern rund um Bonaire ist strengstens verboten, um den submarinen Nationalpark zu schützen. Die Riffe liegen kaum 50 Meter vom Strand entfernt, Steilwände, die von 10 Metern direkt auf bis zu 100 Meter abfallen. Um die Segler dennoch nach Bonaire zu locken, hat die Inselverwaltung an der Strandpromenade von Kralendijk Mourings gelegt, an denen man für 6 Dollar pro Tag liegen kann. Die Alternative sind zwei Marinas in holländischem Stil mit gepfefferten Preise, nichts für uns. Gegen Mittag erreichen wir die verschlafene Hauptstadt der Insel, entscheiden uns für eine Mouring neben einem norwegischen Familienboot und machen fest.

Es ist Sonntag, die Strassen sind leer und verlassen, während wir uns auf die Suche nach einer Bar machen. Alles erinnert an Holland, die bunten Häuser, die sauberen Strassen, Papierkörbe, wo man hinschaut, nur Palmen und Flamingos machen einen stutzig. Mark hat Hummeln im Hintern, hält Ausschau nach Nightlife, Aktion und Vergnügen. Auch wenn er jede Minute der Einsamkeit auf den venezolanischen Antillen genossen hat, jetzt ist Party angesagt. Pommes Spezial bei Watta Burger, Heinekenbier in der City Bar und ein fahrbarer Untersatz, sprich Pickup, sprich Divemobil. Micha und mir geht das alles viel zu schnell. Daran gewöhnt, die neue Umgebung von der sicheren Lady aus zu betrachten, ein paar Infos auf Nachbarschiffen einzuholen und vielleicht ein Bier zu trinken, kommen wir mit Mark´s Tatendrang nicht ganz mit. Dreimal fährt er mit unserem neuen Gefährt um den Supermarkt, bis er einen Parkplatz vor der Tür gefunden hat. Wann haben wir das letzte Mal einen Parkplatz gesucht ?


Im Supermarkt kommt dann der nächste Schock. Erst die positive Überraschung, ob all der tollen Dinge, die es zu kaufen gibt, und dann das böse Erwachen beim Blick auf die Preise. Schnell finden wir heraus, dass der Antillengulden zwar Gulden heißt und auch so aussieht, dass er aber 50 Prozent mehr wert ist, als das niederländische Original ! Dementsprechend wird hier auch nicht in Euro bezahlt, wie es die Dosen mit Leberpate glauben lassen, sondern in der einheimischen Währung, auch Florin genannt. Antillenrechnung bezüglich Leberpate: 1 Euro = 6 DM. Käse ist natürlich billig, ebenso holländische Lakritze und andere Schweinereien, aber alles andere gehört eher in die Luxuskategorie, selbst das Gemüse, das von venezolanischen Händlern am Hafen verkauft wird, wird zur Delikatesse. Was soll's, die Backskisten der Lady sind voll, wir werden nicht verhungern und für ein paar Tomaten reicht es immer noch. ;-)

Mark´s Tatendrang nimmt kein Ende, nachdem wir ihn von der Schnappschusstour durch den Supermarkt weggelockt haben. Die Tauchschulen sind das nächste Ziel und Mark gibt Gas. Der sensible Micha setzt die Sonnenbrille auf und schließt die Augen. Zwischendurch hört man ein ängstliches: Nicht so schnell ! Muss man dazu sagen, dass auf der gesamten Insel Tempo 80 ist ?

Eine nette Tauchschule ist schnell gefunden, für ein paar Dollar pro Person bekommen wir kleine Marken, die beweisen, dass wir den Eintritt ins Tauchparadies bezahlt haben und überall auf der Insel ins Wasser springen dürfen. Mit den holländischen Besitzern der Tauchschule wird noch ein äußerst fairer Preis für unbegrenztes Flaschenfüllen ausgehandelt und dem Tauchvergnügen kann nun nichts mehr im Wege stehen. Der Tag endet erschöpft und zufrieden im Cockpit der Lady.


Nach den unkomplizierten Einklarierungsformalitäten am nächsten Morgen, winkt endlich der erste Tauchgang. Entlang der Inselstrasse an der Westküste findet man immer wieder gelbbemalte Steine am Wegesrand, die mit den Namen der unzähligen Tauchplätze gekennzeichnet sind. Ein kleiner Weg führt direkt zum Strand. Das Auto wird geparkt, die Flasche aufgeschnallt, ein paar Schritte durch Wasser und schon ist man am Riff. Glasklares Wasser und ein wunderbar intaktes Riff empfangen uns. Unglaublich, nur ein paar Meilen weiter lag unter Wasser der reinste Korallenfriedhof, und hier ist die Welt wieder in Ordnung. Die strengen Naturschutzvorschriften auf Bonaire sind mit Sicherheit mit dafür verantwortlich und schon tun die 6 Dollar Mouringgebühren am Tag nicht mehr ganz so weh.


Glücklich und zufrieden tauchen wir nach einer dreiviertel Stunde wieder auf, ein Strahlen im Gesicht ! So hatten wir uns das vorgestellt. Und somit stand auch der Tagesplan für Mark´s letzte Ferienwoche fest. Morgens tauchen, mittags mit dem Divemobil über die Insel gurken, nachmittags wieder tauchen und schließlich in unserer Lieblingsbar "Bongos" auf´s Meer schauen und den Thunfischen beim Jagen zugucken. Die Ironladycrew ist nur unschwer an ihrem gemeinsamen einfältigen Grinsen zu erkennen: Breit, breiter, am breitesten, doch auch unsere komischen Gesichter können noch übertroffen werden. Nämlich von seltsam aufgebrezelten Amerikanerinnen, die die Duty Free und Souvenirshops der Insel bevölkern.


Um wirklich die besten und schönsten der über 40 Tauchplätze zu sehen, lassen wir uns vom Führer der Tauchschule beraten. Am interessantesten klingen das Doppelriff, die Steilwand und ein Wrack, das auf ca. 32 Meter Tiefe liegt. Da Mark und ich ja quasi noch Greenhorns sind, klappern wir zunächst die einfachen Orte ab. Und bekommen ein spezielles Training. Die Lady braucht auch Liebe, so dass der Skipper beschließt, die beiden Tauchsüchtigen allerlei Übungen zu unterziehen, damit wir fortan auch zu zweit ohne unseren Aufpasser spielen gehen können. Bewusstlosen Taucher an die Oberfläche befördern, Wechselatmung in verschiedenen Tiefen, Aufstieg unter Wechselatmung und nicht zuletzt, den bewusstlosen Taucher 200 Meter bis zum Strand abschleppen und wiederbeleben. Wir sind fix und alle nach der Anstrengung, aber fühlen uns ein ganzes Stück wohler. Auch wenn man theoretisch alles noch weiß, man sollte immer wieder üben und sich die Abläufe ins Gedächtnis rufen. Am nächsten Tag ist es dann soweit. Mark und Nathalie, die beiden frischgebackenen Buddies, machen sich stolz alleine auf den Weg. Ziel ist "The Lake", ein Doppelriff in 24 Meter Tiefe. Ein letzter skeptischer Blick auf´s Wasser und ab geht's. Es klappt wunderbar. Wir verstehen uns mit Blicken und Zeichen. Keine Angst kommt auf, völlige Entspannung. Wir schweben über das Riff und können uns nicht sattsehen an all den Farben, den Formen, ein paar Korallen erinnern an Schlumpfhausen, an gewaltige Hochzeitssahnetorten, an außerirdische Welten, an verrückte Träume. Die Liste könnte ewig so weitergehen. Wieder an Land klopfen wir uns gegenseitig auf die Schulter ! Unser Lehrer kann stolz auf uns sein !


Außer Schlumpfhausen warten noch andere Wunder auf uns. Das Wrack von Hilma Hooker in über 30 Meter Tiefe, bewachsen mit Korallen und mittlerweile Lebensraum für Rifffische, Raubfische und Muränen. Die Steilwand im Norden der Insel, wo Mark und ich das erste Mal auf 40 Meter Tiefe gehen dürfen und immer wieder Korallen, Korallen, Korallen. Micha verliert sich mit seiner Nikonos in der Makrowelt und bewegt sich stundenlang nicht über einen quadratmetergroßen Fleck Korallengarten hinaus, während Mark und ich noch immer dem Wunder der Schwerelosigkeit erlegen sind und Wettbewerbe für die schönste Rolle rückwärts austragen.


Doch dank unseres Divemobils kommt auch das Leben an Land nicht zu kurz. Es gibt die pinkfarbenen Salzseen zu sehen, mit gigantischen Bergen aus weißen Kristallen, das türkisfarbene Meer auf der anderen Seite. Im Norden der Insel sieht es aus, wie im wilden Westen. Meterhohe Kakteen, trockener Staub und Sand, zu unseren Füssen neugierige Geckos, die wohl daran gewöhnt sind, gefüttert zu werden. Doch wir haben nichts und so muss vor allem Micha aufpassen, dass die Geckos ihm nicht die Zehen abknabbern. Die Esel, die man überall am Wegesrand findet, und auf die mit zahlreichen Verkehrsschildern hingewiesen wird, sind genauso neugierig und meist handzahm. Die kleinen Dörfer auf unserem Weg sind idyllisch, in bunten Farben gestrichen, meist mit Hecken aus Kakteen und häufig laden verträumte Restaurants mit schattigen Terrassen zur Mittagspause ein. Nur Vorsicht ! Sobald ein Kreuzfahrtschiff anlegt, ist man nicht sicher vor lärmenden Reisegruppen in weißen Socken, Turnschuhen und amerikanischer Freizeitkleidung !


Viel zu schnell vergeht die Woche in Bonaire. Schon naht der Sonntag, Mark´s Rückflugtag ins Sockenland und eine etwas traurige Stimmung überfällt die Iron Lady. Wir versuchen, es zu überspielen, Micha macht Faxen und des abends versuchen wir, uns ins Nachtleben von Bonaire zu stürzen. Gar nicht so einfach, das Nachtleben zu finden. Das Konzert einer Reggaeband in der City Bar besticht durch Dilettantismus und lässt uns schnell die Flucht ergreifen. Zweiter Anlaufpunkt ist Karel´s Bar, direkt an der Strandpromenade, wo ein DJ uns mit den neusten Hits aus den Charts beglückt. Egal, ist zwar nicht unser Geschmack, aber wir stürzen uns trotzdem ins Gewühl, blonde Holländerinnen machen unserem Gast schöne Augen und wir genießen einfach den Abend. Richtig so, denn am nächsten Tag stehen uns allen Tränen in den Augen, als unser gestresster Manager, braungebrannt und natürlich erblondet, durch die Passkontrolle schreitet. Doch was schrieb Mark abschließend in unser Gästebuch ? Das Beste an diesem Eintrag: in der Südsee geht es weiter...


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