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Madeira - Lanzarote

Mit Natale ist es doch am schönsten

Über meine Begeisterung, dass mein Schatz endlich kommt, kann ich nur wiederholt auf die Logbuchberichte ab dem 23.11.´00 verweisen. Zusammenfassend gesagt ist die Iron Lady unser Boot und wir drei gehören einfach zusammen.

Wenn Natale und Micha sich solange nicht gesehen haben, gibt es natürlich eine ganze Menge zu erzählen und zu zeigen und vor allen Dingen Doktorspiele in der Koje. Natale ist ja nun mal Ärztin, die dürfen so etwas auch noch, wenn sie groß sind. Sogar mit Ausweis.

Micha musste Nathalie folgend erst einmal Machico zeigen und allen Leuten vorstellen, die er dort kennengelernt hat. So etwas ist wichtig, und sie kam zwei Tage aus Küsschen rechts, Küsschen links nicht mehr heraus. Scheint ihr manchmal gar nichts auszumachen. Na sowas.

Die Strecke von Madeira zu den Kanaren ist nicht unbedingt kurz und auch nicht einfach. Auf halbem Weg liegt die kleine Inselgruppe Las Selvagens. In meinem Schatzsucherbuch wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dort immer noch ein ungehobener Schatz unter Wasser liegt. Welch ein Anreiz. Doch leider braucht man eine Genehmigung zum Betreten der Insel. Aus diesem Grund wird die Insel selten angelaufen, obwohl es sich doch eigentlich anbietet, dort wenigstens eine Nacht auszuruhen.

Die Genehmigung zu bekommen war nichts anderes als einfach hinfahren: "Wie heißt Ihr Schiff ? Wie lange wollen Sie dort bleiben ?". Nicht mehr als diese zwei Fragen wurden uns gestellt, obwohl wir doch eigentlich stundenlange Verhandlungen erwartet hatten. Gut, diese Hürde wäre geschafft. Wir hatten uns zwischenzeitlich schon aus Machico verabschiedet und mit einem Tauchtraining an der Ostspitze Madeiras nun endgültig Natales Adventureurlaub eingeleitet. Von unserem damaligen Standort, der Stadt Funchal, nun aber Richtung Las Selvagens zu kommen, erfordert auch entsprechendes Wetter.

Wie kommt es nur, dass, sobald man unter dem Zeitdruck von zwei Wochen Urlaub steht, eine Kaltfront nach der anderen über den Atlantik geweht kommt ? Südwest, Südwest, Südwest mit Sturmwarnung. Wir mussten uns sogar ganz bis ans Hafenende verziehen, weil mit Stürmen ja nun nicht zu spaßen ist. "Morgen geht die Front durch" bemerkte ich beim abendlichen Gin Tonic auf der Terrasse einer wirklich netten Jazzkneipe in der Altstadt von Funchal. "Ja", kam die knappe Antwort von Natale. "Somit könnten wir ja eigentlich auslaufen. Der Wind wird sich im Laufe des Tages schon von alleine regulieren. Was meinst Du ?" Sie lachte mich an, "Wir schauen uns das morgen früh einfach mal an. O.K.?"

Wir waren natürlich am nächsten Morgen die ersten und machten uns und die Lady klar zum Auslaufen. Kaum um den Wellenbrecher rum, kocht das Meer. Kurze, fiese Wellen bei Halbwindkurs. "Na prima", denk ich mir und Natale sich wahrscheinlich auch. Ohne großes Gerede und Diskutieren liefen wir schön schnell mit Rumpfgeschwindigkeit und mehr Richtung Selvagens. Eine Nacht auf See, und am Abend darauf müssten wir eigentlich da sein. Der Wind hatte aber gar keine Lust abzuflachen. Immer wieder heben wir das Anemometer in den Wind: 8BFT. "Shit Kram aber auch", zische ich immer wieder, unhörbar für Natale, durch die Lippen. Und rumms, kracht die Lady wieder in die See.

Irgendwann auf See habe ich Geburtstag und bin nüchtern, wie noch nie zuvor in meinem Leben an meinem Geburtstag. Dabei ist die Bordbar gut ausgerüstet. Aber die See meint, "Nein, Michael, Du solltest im Moment vielleicht auf Alk verzichten. Sonst wird Dir noch schlecht". Ich höre auf die Stimme hinter der Kimm.

Aber auch diese Front zog weiter östlich und die Lady fand den Weg südöstlich zu den Ilhas Selvagens. Kaum angekommen, wird das Wetter auch besser. Langsam, aber deutlich. Auf die Insel können wir nicht, weil alte Dünung aus zwei Richtungen kommt und der Anlandeplatz im Süden unerreichbar ist. Die östliche Schatzbucht allerdings, in der wir liegen, ist sehr geschützt. Es beginnt das Leben auf der Lady. Frühstücken, tauchen, essen, lesen, schnorcheln, angeln und Michi fängt seinen ersten Fisch. Hier ist endlich der Beweis. Der arme Kerl musste sterben. Tja, aber da es nicht immer Iglu Fischstäbchen zu kaufen gibt, müssen wir uns wohl daran gewöhnen. Wir haben die schnellste Methode gewählt, um den armen Tieren das lange Leiden zu ersparen. "Karibischen Pfefferschnaps, in beide Kiemen ein paar Tropfen", meinte ich zu Natale. "Der Tipp und der dazugehörige Pfefferschnaps kommt von Katrin und Gerd", ich denke an die Zeit in Falmouth zurück, als Gerd mir seine Angelausrüstung verkaufen wollte. Ich Idiot habe damals Nein gesagt, jetzt weiß ich, was eine richtige Hochseespule kostet und könnte weinen...O.K. Fisch tot, "Alle Arten der Drückerfische sind giftig und ungenießbar" kommt von Natale, die wieder auf schlau macht und irgendwelche Bücher findet. Na prima. Der arme Kerl. Wir fangen mit seinem Fleisch als Köder zwei Brassen und der Abend ist gerettet.

Wir weihen unsere neue Luxusdusche ein. Ein schwarzer Plastiksack, der sich bei Sonneneinstrahlung aufwärmt und haben so 20 Liter geniales Duschwasser. Irgendwann wird es uns allerdings doch zu rollig in der Bucht, und wir ziehen es vor, mitten in der Nacht das Feld zu räumen. Der Wind diktiert die Richtung: Lanzarote! Jetzt ist Natale auch langsam wieder ohne OP - Ringe unter den Augen und überhaupt redet sie kaum noch vom Krankenhaus. Na, Gott sei Dank.

Irgendwann nach vielen, vielen Meilen stehen wir in Arrecife. Die Marina ist ein Schrottplatz für Segelboote. Boote, die irgendwann einmal Menschen gehörten, die dasselbe vorhatten wie wir, denen aber das Geld, die Lust, die Zeit oder was auch immer ausgegangen ist. Die Überreste dieser Träume liegen nun in vielen kanarischen Häfen und stimmen uns ein wenig traurig. Aber daran sollten wir uns ab sofort gewöhnen. Dafür ist auf den Kanaren deutlich besseres Wetter, als auf Madeira. Wir genießen den festen Boden unter den Füßen. Natale treibt ihren, manchmal etwas unternehmungsfaulen, Mischa in die nächste Autovermietung, und jetzt kommt Kultur.

Das Ziel heißt Parque National de Timanfaya. Die größte Verarschung, seit ich im Phantasialand war ! Ich darf hier aber einfach auf den Logbucheintrag von Natale vom 6.12.´00 verweisen, die Photos sollten für sich sprechen. Natale hat beim Warten in der Autoschlange auch etwas die Nerven verloren, und so guckt sie dann. Aber trotzdem eine gewaltige Landschaft. Rechts und links vom Auto gibt es auch nicht viel zu sehen.

Wir retten den Tag, indem wir die Augen zumachen und auf die Landkarte von Lanzarote tippen. Der Weg führt uns über La Santa zum Wellenreiterparadies La Caleta. Dort finden wir auch ein kleines verträumtes Restaurant mit dem typischen Blick auf das Meer.
So langsam verliert sich die Seele und Essen tut gut. Essen und Trinken. Denn in Spanien schmeckt der Brandy ja doch noch am besten und zum Thema Bier heißt es jetzt für die Zeit bis Juni: Tropical. Langsam aber sicher senkt sich die Sonne auch über den Bergen von Lanzarote, und mir gelingt es noch im Hellen meine Natale in Schön zu fotografieren. Unbestritten ist ja nun, dass es nicht so einfach ist, sie zu fotografieren. Sie wird auch nie so richtig fotogen werden. Sie sieht es ähnlich mit mir, glaube ich, sonst wäre dieses Foto wohl nie entstanden.

Auf dem Rückweg streifen wir noch den Norden von Lanzarote. In Los Valles machen wir Halt und ruhen uns von der anstrengenden Autofahrt aus. Nathalie will mich zum Rasieren zum örtlichen Friseur schicken. Ich aber traue mich nicht richtig. Später werde ich mir diesen Luxus sicherlich noch leisten. Grins.

In den folgenden Tagen organisieren wir so langsam unsere Rückreise und werden vor allen Dingen mit der Frage konfrontiert: Wohin mit der Lady ? Denn ich muss für einen Monat nach Deutschland. Wir entschließen uns für Porto Castillo auf Fuerteventura. Dass der Wind sich am Tag unseres Auslaufens für ein wortwörtliches Entgegenkommen entscheidet, war mir irgendwie schon vorher klar. Dass ich mir morgens aber auch noch den Ischias einklemmen muss und die ganze Überfahrt somit zum Horror wird, nur um den Rückflug zu bekommen, wurde mir erst später klar. Fahrtensegeln eben. Nix da mit Erholung. Oder liegt es einfach nur an uns selbst, die wir uns immer wieder den Stress machen ?

Porto Castillo erweist sich als der richtige Hafen für den nächsten Monat ohne Skipper an Bord. Wie ich später erfahre, zieht Anfang Januar ein Sturm über Fuerte, der in Morro Jable mehrere Yachten schrottreif macht. In Porto Castillo passiert nichts. Porto Castillo ist aber auch total langweilig. Schade für die Lady. Der Ort ist fest in englischer Hand, die Ferienanlage wunderschön, aber nach zwei, drei Tagen sicher auch wunderschön langweilig.

Wie ich später erfahren werde, entspringt die ganze Schönheit dicken schwarzen PVC - Rohren, in denen das Wasser aus den Entsalzungsanlagen der Insel zu den Pflanzen geleitet wird. Somit kommt es einem schon nicht mehr so komisch vor, dass "Betreten - Verboten" - Schilder die Wege zieren.

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