Mai 1999 - Nordsee ist Mordsee - erste Erfahrungen
mit unserer "neuen" Iron Lady
Überführunstörn nach Holland über Dänemark
18:34
02.05.99
53:52.47 N
08:42.41 E
Cuxhaven
Motorstundenstand: 523 Std.
Gestern haben wir das Boot von Klaus Heick
übernommen. Nach einer Nacht in Glücksstadt und einem schönen Abendessen
sind wir heute morgen in Cuxhaven eingelaufen. Klaus ist jetzt weg und
wir alleine. Schön. Wir sind schon den ganzen Tag im Hafen, tun nichts,
erst mal an den Urlaub gewöhnen. Morgen machen wir einen Schlag nach Helgoland.
Mal schauen wie alles so klappt.
16:43
04.05.99
54:45.583N
0 8:17.764E
Sylt/Hörnum
Von Cuxhaven aus sind wir erst mal per Motor
durch die Schiffereiautobahn bis zum Vogelsand gefahren. Dort dann rauf
die Segel und Richtung Helgoland. Kurs "Hoch am Wind", wir hätten gar
nicht gedacht, daß Iron Lady das kann. Aber ein mäßiger 4-5 Nordost hat
uns gemächlich nach Helgoland gesaugt. Sonne, Barcardi und Kokosnusspalmen...
Na, ja fast so schön. Viel zu schnell war die Fahrt nach Helgoland, geniale
4-5 Knoten, da war´s dann auch schon vorbei und wir wurden erst mal mit
der Hafenmeisterei konfrontiert. Na ja, soll wohl sein müssen. Anlegen,
prima, noch keine neue Beule in unserem neuen Gefährt, noch kein kaputter
Anlasser usw. Zu viel frische Luft ist ungesund. 22Uhr, Tiefschlafphase
erreicht. Hinter uns ein Chartersegler, hat seine Fallen nicht unter Kontrolle
und macht höllischen Krach. In der Nacht dreht der Wind und wir schlagen
mit unserer 15Meter Orgelpfeife zurück. ja, so kann's gehen. Helgoland
an sich schön, aber wir sind ja nicht zum Wandern hier. Ein paar Erledigungen
haben wir natürlich gemacht. Schnaps und Zigaretten, Deutsch bleibt Deutsch.Morgends
NO-Wind, böig auf 5. Tja, wir wollten es ja nicht anders. Also raus aus
dem Sporthafen und rein in den Binnenhafen. Fünf Meter vor der Tankzafpdingsbummsda
bleiben wir im Schlick stecken. Zwei Meter Tiefgang ist halt zu viel.
Ungedulig wie Micha ja nun mal ist, "Marcha atras" und rückwärts aus dem
Hafen raus. Richtung Sylt. Das ist knapp, der Wind kommt fast daher, wohin
wir wollen. Geht gerade so. Nathalie muss unbedingt nach Sylt. Ob Sie
da einen Freund hat? Nein, natürlich erst später bekomme ich raus, daß
ja Ihre Freundin Lyn dort immer hinfährt. Kann man das unterbinden? Besser
nicht. Mann kennt ja die Frauen. Also hoch am Wind, Der Wind frischt auf.
Erst mal nicht die Segel reffen. Wäre ja auch Verschwendung von Windkraft.
Dementsprechend mit viel Schräglage und viel Wasser kämpfen wir uns nach
Rom (Alle Wege führen nach Rom). Und klar, wer hat als erstes Probleme
mit der Gewöhnung an die Dünung (man nennt das seefest werden), Micha.
Mit viel Denken an andere Sachen und Nathalies akrobatischem Können beim
Öffnen von Fertiggerichtdosen und dessen Verfeinerung usw. geht alles
glimpflich aus. Hoffentlich war's das. Dann, gegen Mittag verläßt uns
der Wind. Wir müssen Motorkraft einsetzten. Na gut, die Batterien können
auch mal wieder gebrauchen. Wir käbbeln noch ein bißchen über Lyns Ferienziel
und fahren schlußendlich natürlich doch nach Sylt. Hier ist es schön.
Wir wurden im Yachtklub außerordentlich freundlich und nordisch aufgenommen.
Morgen schauen wir weiter. Über der deutschen Bucht soll es ziemlich windig
werden. Vorhersage 6-7, Böen auf 8-9. Fischersee soll ruhiger sein, auch
der Skagerrag überzeugt im Moment sehr mit Ost- bis Südostwind bei 6-8.
Überhaupt, wer hätte gedacht, so schöne Winde zu bekommen. Nur 10 Grad
wärmer könnte es sein. Wir werden mal schauen. An der Westküste von Dänemark
gibt es wenig Häfen. Aber wir wollen Richtung Norden, wenn es die Winde
schon mal erlauben.
18:17 06.05.99 56:02.26N 08:14.03E Ringköbing
/ Dänemark Motorstundenstand: 551
Das Auslaufen aus Hörum/Sylt gestaltete sich
erst mal wieder schwieriger als gedacht. Im Hafenhandbuch steht, daß der
Hafen tidenunabhängig immer befahrbar ist. Wir bleiben bei Ebbe im Schlick
stecken. Nun gut, dachten wir uns und legen erst mal einen Landgang bis
zur nächsten Flut ein.
Mit dem öffentlichen Verkehrsmittel geht es auf nach Westerland. Die Stadt
der Schönen und Reichen, die aber noch nicht da waren. Ansonsten hat man
sich wie auf der Schadowstraße in Düsseldorf gefühlt. Ob Sylt nun wirklich
so schön ist? Vielleicht ist es mehr die Gastronomie. Bei der Fahrt mit
dem Bus hab ich mich auf jeden Fall gefragt, wie die Sylter denn so viel
essen können. Auf dem Rückweg früher aus dem Bus raus und erst mal die
neuen Einlagen ausprobiert. Haben Ärzte manchmal wirklich Recht? Mein
Orthopäde anscheinend schon. Danach zurück zu unserer eisernen Lady. Klar
Schiff machen und mit der ablaufenden Flut raus aus dem Hafen. Mitleidsvolle
Blicke von unserem Nachbar und noch ein sinnlicher "Viel Glück" Wunsch.
Kaum um die Hafenecke raus auf´s Wattenmeer, bläst uns ein steifer Ost
mit mindestens 7 ins Gesicht. Na, das kann ja lustig werden. Aber mal
ehrlich wir wußten es ja vorher. Jetzt kann unsere Lady mal zeigen was
sie kann. Rum um die Südspitze von Sylt und wieder Richtung Nord. Auf
dem Weg liegt das schon dänische Horns Reef. Da gibt es auch einen kleinen
Weg hindurch. Alle Wegpunkte hat Nathalie schon in den Computer eingegeben,
somit wir navigationstechnisch kein Problem haben. Das GPS ist mit dem
PC verbunden und warnt uns jederzeit, wenn wir vom Weg abkommen. Der Wind
frischt zum Abend auf. Wir planen 21 Stunden für den Schlag nach Dänemark.
Über 100 Seemeilen Zickzack durchs Riff. Alles ohne Landnavigation.
Der Wind wird stärker und stärker. Aus 7 wird 8. Die See baut sich auf.
Gleichzeitig bauen wir ab, mehr und mehr, um so dunkler es wird. Aus dem
raumen Kurs wird dann doch eher ein halber. Es böht. Großmaul Micha wird
auch immer stiller und sieht die See an, die von achtern das Schiff sachte
hochhebt und sachte ins nächste Wellental abfallen läßt. Also gut, das
eh schon gereffte Großsegel rein. Die Rollgenua kleiner. Da sind noch
15m² von ehemals 80m² über und der Wind schiebt uns doch weiter von einem
Wellental ins andere. Wir haben keinen Windmesser. Doch die Lady schiebt
sich nach GPS mit bis zu 8 Knoten durch die Fluten. DWD hat 8-9 böig auf
10 mit Wellen um drei Meter angesagt. Ich hatte mir die Wellen aber in
einem viel größerem Abstand vorgestellt. Nun ja, Nordsee ist Mordsee.
Inzwischen ist es dunkel, wir sind allein auf weiter See. Die See rollt
und wird von Moment zu Moment schwerer. Uns beiden fällt es schwer die
ersten Anzeichen von Seekrankheit zu verneinen. Wir wollten wissen ob
das Schiff sicher ist. Es ist sicher. Sicherer als wir. Schon den ganzen
Schlag hindurch steuert Gustav das Boot. Ihm ist nicht schlecht und er
hat immer gute Laune, solange er Energie zum Beißen hat. Der Radar sieht
die Fischer, die anscheinend ziellos in einigen Meilen Abstand um uns
herum Versteck mit uns spielen. Der Diesel versorgt uns mit Energie und
Wärme. Die Iron Lady bewegt sich durch die stürmische See, als wenn es
das Normalste der Welt wäre. Nathalie und ich leiden an Seekrankheit wie
noch nie zuvor. Wir sind aber nicht grün und gelb im Gesicht, müssen auch
nicht erbrechen, lediglich die Schlingerbewegeungen auszugleichen überanstrengt
unseren Gleichgewichtssinn. Bei Helligkeit ist das alles kein Problem.
Man setzt sich an Deck und schaut auf den Horizont. Auch einfach mal Gustav
vom Ruder ablösen hilft immer. Bei diesem Sturm aber kann man nicht an
Deck gehen. Alle halbe Stunde geht jemand an Deck um einen Rundumblick
zu machen. Das meint, einmal den Kopf über die Sprayhood. Einmal nass
werden und schnell wieder rein. Der Motor läuft die ganze Nacht im Leerlauf,
um uns Licht und Wärme zu spenden. Niedergang zu, einen Blick auf den
Rechner, GPS, Radar, Motorinstrumente und schnell wieder in die Seekoje.
Noch der angenehmste Platz im Boot. Die Iron Lady legt sich von rechts
auf links, immer wieder und wieder. Jetzt, bei Nacht, sieht man die Höhe
der Wellen wenigstens nicht mehr. Das Schlimmste ist eigentlich der Krach.
In jedem Schapp, in jeder Schublade folgt alles den Gesetzen der Schwerkraft.
Von rechts nach links. Jedes Glas, jede Gabel, jede Zange, jede Tuborgdose...im
Zustand der Seekrankheit ist einem das aber alles egal. Man kann sich
nicht ohne eine vollkommene Willensanstrengung aufraffen. Nur gut das
keiner von uns erbrechen muß. Wir versuchen zu schlafen, auch hierbei
das schwierigste, den Ort beizubehalten und nicht mitten durchs Boot geschleudert
zu werden. Nathalie liegt auf dem Boden, ich in der Seekoje. Beides so
ziemlich der tiefste Platz im Boot. Um 2 Uhr nacht wird alles ganz komisch.
Die Iron Lady liegt anders im Wasser als bisher. Ich rein ins Ölzeug,
Sicherheitsweste und raus in die Plicht. Gustav hat aufgegeben. Die Wellen
haben die vier Meter Grenze erreicht. Böen jagen mit 9-10 über das aufgewühlte
Meer. Iron Lady hat selbstständig beigedreht. Schön von ihr, das ist die
sicherste Stellung bei Sturm, aber so treiben wir auf die offene See.
Also nehm ich das Ruder, bring das Schiff wieder auf Kurs und reffe die
Rollgenua auf 3m². Jetzt will auch Gustav wieder. Immer noch rauschen
wir mit 5-6 Knoten durch die See. Auf dem Vorschiff haben sich zwei Fender
gelöst. Für alle Arbeiten an der Takelage brauchen wir nicht aufs Vordeck.
Um die Fender zu retten müßte ich jetzt. Ich entscheide mich dagegen.
Fender kann man neue kaufen. Ich hab keine Lust jetzt den Helden zu spielen.
Ich entscheide den Kurs um das Riff zu ändern. Es erscheint mir zu gefährlich
die Abkürzung mitten hindurch zu nehmen. Wieder runter ins Boot. Nathalie
schläft, alle vier Gliedmaßen so verkantet, daß sie nicht herumgeschleudert
wird. Von dem Platz in der Hundekoje kann ich durch ein Bordfenster über
mir auf den Windanzeiger oben auf den Mast sehen und den Kurs des Schiffes
zum Wind überprüfen. Aber auch jede Welle von unten betrachten, die über
das Vordeck rollt. Schlaf überfällt mich. Ich stelle mir die Eieruhr auf
30 Minuten. Ab da keine weiteren Vorkommnisse. Jede halbe Stunde mit Nathalie
zusammen raus, Radar, Rundblick und Navigationskontrolle. So langsam gewöhnen
wir uns an die Seekrankheit. Gemeinsam heben wir das Rauchverbot im Schiff
ab Windstärke sieben auf. So gegen 5 Uhr morgens geht die Sonne auf. Wie
schon die ganzen Tage wieder ein herrlicher sonniger Tag - mit viel Wind.
Erst jetzt sehen wir wie die See sich entwickelt hat. Zu allen Seiten
rollen hohe Wellen an uns vorbei. Instantkaffee und ein paar Brote erwecken
die ersten Lebensgeister zurück. Gegen 11Uhr Kurswechsel an der Westtonne
des Riffs. Jetzt müssen wir hoch an den Wind, auf den Ringköbing Fjord
zu. Bis dahin 30 Seemeilen. So langsam kehrt Ruhe ein. Die Seekrankheit
haben wir überwunden. Wir bringen langsam Ordnung auf´s Boot. Gegen Mittag
geht der Wind auf 5 zurück, die Wellen gehen zurück, um so näher wir an
die Küste kommen. Wir wollten wissen, was es heißt, im Sturm zu segeln,
um eine Erfahrung zu machen, um zu wissen wie sich das Schiff verhält,
wie sich die Mannschaft verhält. Den Zweck hat dieser Törn erfüllt. Die
Iron Lady ist hochseetüchtig, sicher und stabil.
18:16
07.05.99
56:02.26N
8:14.03E
Motorstundenstand: 552
Ringköbing / Dänemark
Entspannung war dringend notwendig. Also sind wir erstmal in einer
kleinen Marina geblieben. Erstmal ab in die Koje, den dringend notwendigen
Schlaf nachholen. Nach 12 Stunden Schlaf haben wir unsere alte Form wiedergefunden.
Glückselig über unseren Urlaub frühstücken wir lange und vergameln die
Zeit mit Lesen, fummeln am Boot und Ringköbing anschauen. Das Wetter ist
super wie immer. Nathalie wundert sich über die Leute, die dänisch sprechen.
Alle sind sehr nett zu uns, und endlich kommen wir dazu vollzutanken und
das Boot von der Nordseesalzkruste zu befreien. Auch innen entfernen wir
Stück für Stück Klaus & Karnas Überreste. Ein Abendessen wird den Tag
rund machen. Aber vorher trinken wir uns noch einen an, damit das Abendessen
nicht zu teuer wird. Auf der Straße hat ein Bier hier 10 Mark gekostet.
Morgen geht's weiter nach Norden. Heute nacht mal wieder auf den Wetterbericht
hören. Sturm kennen wir ja jetzt, brauchen wir also nicht unbedingt nochmal.
11:11
09.05.99
56:05.39N
8:02.04E
offene Nordsee / vor Hvidesande
Nach zwei Tagen Hafen und Ausruhen sind wir
heute gegen 8:00 ausgelaufen. Die See ist ruhig. 3-4 SW mit 1 Meter Wellen.
Wir setzten Kurs Nord. Ziel Thyborön. Gustav hat sich verabschiedet. An
der Halterung ist die Klemmvorrichtung gebrochen. Gott sei Dank haben
wir noch einen Ersatzmotor. Heute morgen habe ich erst mal alles auf dem
Boot angezurrt, was es anzuzurren gibt. Noch mehr Verluste müssen nicht
sein. Es ist diesig, Sicht keine 1/4tel Meile. Mit Radar kein Problem.
Außer, daß uns irgendwann der Bordstrom ausgehen wird. Dann müssen wir
halt den Motor anmachen um die Batterien zu laden. Daisy (automatische
Pazifik-Winsteueranlage) hat Gustavs Aufgaben übernommen. Bis jetzt hatte
ich mich noch nicht getraut sie zu benutzen. Heute war Premiere und alles
läuft prima. Im Gegensatz zu Gustav läuft sie ohne Strom und hält das
Boot lautlos immer mit dem gleichen Kurs am Wind. Sie sieht ein bißchen
eigenartig aus, ist aber gutmütig und fährt immer ein bißchen Schlangenlinien.
Da es draußen eh nichts zu sehen gibt und Daisy alles tut, sitzen Nathalie
und ich unter Deck. Ich in der Navecke, Nathalie im Salon. Eine Dose Ravioli
hat unseren Mägen etwas zu tun gegeben, damit diese nicht auf dumme Ideen
kommen. Der aktuelle Kurs läßt das Boot vor dem Wind treiben, es schlingert
halt ein bißchen. Bei knapp 5 Knoten werden wir unseren nächsten Wegpunkt
Torsminde in 5 Stunden erreichen. Bis Thyborön sind es insgesamt 8 Stunden.
Wenn wir dort einlaufen, heißt das auf jeden Fall Nachtansteuerung.
17:02
09.05.99
56:22 N
08:07 E
Torsminde / Dänemark
Wir haben uns nun doch entschieden nicht in
die Nacht hineinzufahren und liegen in Torsminde, einem dänischen Fischereihafen;
soweit wir gesehen haben, sind wir die einzige Segelyacht, die hier festgemacht
hat. Um uns herum nur dicke dänische Bottichfischerboote mit viel Fisch.
Nach dem Anlegen sind wir als erstes mit ein paar Dosen Bier losgezogen
und haben Fisch gegen Alkohol getauscht...... Micha hat 5 frische Schollen
gegen 2 Dosen Bier bekommen, der Fischer ist glücklich, wir auch. Wußte
gar nicht, daß Schollen so hübsch aussehen, mit den orangen Punkten, aber
das bewahrt sie jetzt auch nicht mehr vor der Bratpfanne. Noch ein gutes
hat dieser Hafen, zum ersten Mal müssen wir keine Liegegebühren bezahlen!
Die Fahrt war ansonsten sehr ruhig, Daisy hat gearbeitet, und wir haben
gefaulenzt bis ca. 2 sm vor der Hafeneinfahrt, schön wenn andere die Arbeit
für einen übernehmen, nur unser imaginärer Butler James schläft immer
gerade dann seinen Rausch aus, wenn wir ihn brauchen könnten, z.B. jetzt,
denn dann könnte er schon mal die niederen Smutjearbeiten verrichten und
Kartoffeln schälen....JAMES???.....Er hört mal wieder nicht, also muß
ich wohl doch endlich selber ran....
56:22 N
08:07 E
Motorstunden: 555 Std.
Torsminde / Dänemark
Es ist einfach wahnsinnig schön einmal wieder
die Welt um sich herun zu vergessen und seine Kraft auf einen selbst zu
konzentrieren. Wirkliche Erholung, die ich schon lange vermisst habe.
16:57
10.05.99
56:42.38N
08:13.40E
Thyborön / Dänemark
Tagesziel war heute eigentlich Hanstholm.
Nun gut wir haben es leider nicht geschafft. Gestern zu viel der guten
Dinge genossen und heute schon verschlafen. Also doch erst 9:15 ausgelaufen.
Mit am Wind Kurs, später hoch am Wind, sind wir gen Norden gelaufen. Bei
NO Wind alles in allem einfach schönes Segeln. Anfangs Wind um 4, später
aufgefrischt auf 6-7. Wenig Segel gesetzt da wir sonst zu viel Krängung
hatten. Wie immer haben wir eigentlich nie gesteuert. Daisy hat die Aufgaben
von Gustav übernommen. Sie ist halt einfach lautloser und lenkt das Boot
weicher. Der Nachteil ist natürlich, daß man Windrichtungsänderungen kaum
bemerkt und sich der Kurs verändert. Also muß man schon öfters mal schauen
wo Daisy so hinfährt und entsprechend das Windpaddel neu ausrichten. Wir
haben erst Thyborön angesteuert, bis Micha dann kurz vor der Hafeneinfahrt
einfiel, es doch noch mal in Richtung Hanstholm zu versuchen.
Gesagt, getan, 4 Seemeilen weiter nördlich meint auch Micha, das muß nicht
sein. Also Kehrtwende und doch nach Thyborön. Wer hat am Ende immer Recht.
Der Mediziner. Von unserer Seekrankheit ist nichts mehr übriggeblieben.
Auch ist uns nicht mehr wackelig auf den Beinen, wenn wir nach einem Segeltag
an Land gehen. Die Stimmung an Bord ist etwas bedeckt. Es regnete heute
zum ersten Mal. Die letzten beiden Tage davor waren zwar nicht sonnig,
aber wenigstens hat es nicht geregnet. Über guten Segelwind allerdings
können wir uns nicht beschweren. Für Morgen sind Böen im Skagerag auf
10 bei Windstärke 8 angesagt. Die ganze Suppe aus NO, wahrscheinlich noch
mit Regen. Wenigstens so richtig kalt ist es nicht. Oder liegt das an
dem Petroeleumofen, den wir angemacht haben? Na ja, morgen werden wir
wohl weiteres Vorgehen planen. Erst mal das Wetter abwarten. Ob wir wirklich
noch nach Norwegen segeln, halte ich im Moment für ungewiss, da wir ja
auch nicht ewig Zeit haben. Schade, wo wir gerade so schön weit nach Norden
gekommen sind. So ist es halt, wenn man im Urlaub segelt, da bestimmt
die vorgegebene Zeit den Törn. Auf jeden Fall sind wir also jetzt im Eingang
des Limfjords. Ein schönes Stückchen Land. Von hier aus kommen wir bis
in die Ostsee, aber das sind 100 SM Binnengewässer. Für uns hieße das
Tonnenstrich fahren und dann nach Süden und den NordOstSee Kanal zurück
nach Cuxhaven. Nee - ich glaub, wir glauben - wir wollen das nicht. Aber
ich wollte heute abend auch nicht öffentlich darüber nachdenken. Also
liegen wir hier in Thyborön und schauen ab und zu raus. Die Navigationscrew
hat Landgang angesagt für heute abend. Da freuen wir uns natürlich. Wollen
mal schauen was Thyborön so an Nachtleben zu bieten hat. Im Boot sieht
es jetzt so richtig nach Segeln aus. Mitten durch den Salon habe ich eine
Wäscheleine zum Trocknen gespannt. Photo nicht vergessen - Micha.
18:58
11.05.99
56:36.05N
8:17.39E
Motorstundenstand: 565 Std.
Lemvig / Dänemark
Morgens hat's immer noch geregnet wie Sau.
Ne, dat macht doch nun wirklich kein Spaß aufzustehen. Keiner von der
Iron Lady Crew hatte Lust weiterzusegeln. Auch wurde gestern dann doch
noch öffentlich über Hanstholm und Norwegen diskutiert. Also, Norwegen
fällt aus. Es ist zwar nicht zu weit, aber es wäre zu viel Streß. Die
Zeit ist zu knapp, um auf günstigen Wind zu warten. Ich meine in Norwegen
und den Rückweg von dort zum Ijsselmeer.
Schon zu oft haben Boote sich in Situationen begeben, nur weil der Urlaub
zu Ende war. Situationen die nicht sein müssen. Also sind wir denn bei
Hochnebel, aber ohne Regen und sogar einigermaßen Temperatur in den Limfjord
eingelaufen. Richtung Lemvig. Weil: Thyborön ist einfach eine in den Sand
gesetzte Fischerstadt ohne jedes Flair. Und Hafengebühr wollten die auch
noch. Aber die Duschen waren gut. Ansonsten ein superdreckiges Loch -
mit Fischfabrik. Nachdem es endlich aufgehört hat zu regnen, fang ich
an, das Boot vom Dreck zu reinigen und alles klar zu machen. Es gibt halt
immer tausend Sachen, die man so machen und verändern will. Nun ja, vergessen
wir das einfach. Also bekanntes Binnensegeln. Tonne um Tonne, kein Gustav,
keine Daisy. Hand ans Ruder, Zigarette im Mundwinkel. Der Regen hat aufgehört.
Plötzlich, keine Tonnen mehr. Ende der Tonnenstraße, eigentlich nicht
weiter schlimm, aber wir haben keine Seekarte. Auch kein Hafenhandbuch
vom Limfjord. Keine Ausrede also, wenn wir jetzt auf Grund laufen. Das
Echolot zeigt genügend Tiefe an. Bis jetzt ist alles gut gegangen. Im
Nebel erscheint auch schon Lemvig, na gut, auf dem Radar. Die gesamte
Strecke nehmen wir unter Motor. Wäre ja auch ein bißchen anstrengend unter
Segel - oder ??? In Lemvig angekommen eine wirkliche Erholung. Unterwegs
ist ein bißchen die Sonne rausgekommen. Der Limfjord hat auch sicherlich
einen gewissen Reiz. Vielleicht mehr für Jollen, aber was soll´s. Im Hafen
legen wir an. So langsam klappt´s richtig gut. Eigenlob, Eigenlob. Nathalie
und ich sind inzwischen ein eingespieltes Team. Hat länger gedauert, bis
ich bemerkte, daß die Lady eine linksdrehende Schraube hat. Der Radeffekt
sich also nur bei Backbordanlegemanövern bemerkbar macht. Raus aus der
Koje und in die Stadt. Die Dänen haben sich schon wieder alle nach Hause
verzogen. Nichts geht mehr. Alle Läden sind zu. Am Ende treffen wir doch
noch auf einen offenen Supermarkt. Meingott ist das alles teuer. Gut das
wir schon so gut verproviantiert sind. Ein Problem gibt es. Wir haben
nämlich unsere Alkoholvorräte vor dem Zoll versteckt. Den leckeren Rum
auch. Die vorletzte Flasche geht zur Neige. Doch wo ist die letzte Flasche.
Keiner weiß es mehr. Wir haben schon ein bißchen gesucht, aber noch haben
wir ja. Hab ich eigentlich schon von Karl erzählt? Nein? Karl ist unser
Maschinist. Er trinkt hauptsächlich Diesel, aber auf 450 Liter auch ganz
gerne mal 2 Liter Isopropylalkohol (96%). Na wenn der nicht viel schlimmer
ist als wir. Karl hat die Krone in der Hand, ohne ihn geht hier garnichts...
Nach unserem Stadtbummel lasse ich das Dingi mal zu Wasser um Nathalie
zu zeigen, wie groß die Iron Lady ohne umgdrehtes Dingi auf dem Vordeck
ist. Nathalie ist begeistert. Wir verholen abends gegen 19 Uhr raus aus
Lemvig. Wir wollen uns einen schönen Ankerplatz im Fjord suchen. Gesagt,
getan. Auf dem Weg schmeiße ich natürlich noch den Schleppblinker ins
Wasser. Nen blindes Huhn findet auch mal einen Fisch. Aber heute nicht.
Nathalie, schau doch mal auf den Radar ! Wieviel Boote siehst Du vor uns?
Nathalie sitzt in der Navcrewecke. "Eins, oder so" kommt von unten. Falsch!
17 Segelboote starten bei Dämmerung eine Mitsommerregatta, oder so...
Es ist kein Wind, keine Welle, keine Strömung nur Bodennebel...Die spinnen
die Dänen. Jetzt fangen sie auch noch an wild Blister zu setzen. Da der
Wind nicht reicht, stellen sie Ausstellerbäume raus. Bis jetzt habe ich
mir das ganze Spiel angeschaut, aber jetzt reicht´s. Motor 1800 Touren
und durch. Ob die wohl Platz machen? So, und natürlich die Einheimischen
grüßen. Wichtig! Später merken wir, daß das Echolot wohl falsch eingestellt
war. Auf dem ganzen Hinweg hat es Fuß angezeigt. Jetzt zeigt es Meter
an. Komisch ist viel weniger Wasser unter dem Kiel. Kurz danach haben
wir unseren Ankerplatz erreicht. Durch leuchtende Korallenbänke rudern
wir Richtung Festland und werden freundlich von Robinson und Freitag empfangen...
Stop, hier liegt wohl ein Synapsenfehler vor... Aber das mit dem Dingi
stimmt. Nathalie meint gerade, ich sollte im Logbuch doch mal lobend Smutje
erwähnen. Heute gab es Krabben in Knoblauch mit Wein abgelöscht, nebst
Risotto mit Spargel und Broccoli. Dazu viel Liebe, Wein, Wasser und Luft.
Wir liegen einsam im Fjord und alles ist gut. Der Anker hält und schlafen
werden wir sicherlich herrlich, zumal wir endlich mal aus der Luke sehen
können, da das Dingi an der Bordwand 1 Meter über der Wasseroberfläche
hängt... Gute Nacht. Ach, ich wollte ja noch spülen. Ich heiße übrigens
Micha.
12:59
12.05.99
56:37,93 N
08:03,27 E
Motorstundenstand 567 Std.
offene See Unser Ankerplatz war nun heute
morgen nicht mehr so ruhig und idyllisch, der Wind hatte über Nacht aufgefrischt
und die Iron Lady rollte auf ihrer Position hin und her.... Nach ausgiebigem
Frühstück im Bett (von Micha bereitet, womit hatte ich das verdient???)
haben wir dann beschlossen, wieder nach Thyborön zu laufen, um uns dort
in aller Ruhe auf den 160 sm Törn nach Helgoland vorzubereiten...Nicht
zu lange warten mit der Rückreise, denn für`s Wochenende ist wieder Starkwind
angesagt. Auch psychologisch fanden wir es sehr sinnvoll, morgen früh
unseren Törn anzutreten, um nicht direkt in die Nacht hineinzusegeln wie
beim letzten Mal.
Doch die Fischfabrik von Thyborön lief auf vollen Touren, so daß es selbst
auf See nach gammelige fiske roch, und um nicht in einem stinkigen Hafen,
in einer verlassenen Fischerstadt den Blues zu schieben, haben wir trotz
Regen einstimmig den Kurswechsel Helgoland beschlossen. Also, an der Hafeneinfahrt
vorbei, durch den Kanal wieder auf die mittlerweile wohlbekannte Nordsee
und Segel setzen. Mit Genua angenehmer Kurs, bißchen Krängung aber schön
schnell, 6.5 kn, Super!
Dann Groß ein Drittel raus, dafür ein bißchen in den Wind gehen und schon
hatten wir den Salat.... Die Schot von der Genua hatte sich dreimal um
unseren Enterhacken gewickelt, der so schön an der Steuerbordwant festgezurrt
ist. Micha ruft:Du mußt an Deck, und nach viel Steuermanövern hin und
her gelingt es mir dann die Schot wieder freizubekommen....Ganz schön
aufregend da vorne an Deck, wenn alles wackelt, natürlich war ich gesichert,
trotzdem hat man ja doch immer ein bißchen Sorge, daß der Wind oder eine
Welle einen aus dem Gleichgewicht bringt, vor allem wenn man beide Hände
zum Arbeiten braucht, aber wie sagen die Chirurgen immer: Einfach kann
jeder. Mittlerweile haben wir Mittag gegessen, Michi schläft, oder versucht
es zumindest. Daisy arbeitet mal wieder für uns und ich stecke alle 20
min meinen Kopf in den Regen, soll ja gut für den Teint sein..... Trotz
des Regens ist die Stimmung also prima, noch ist die Vorstellug die nächsten
24-30 Stunden auf See zu sein völlig in Ordnung. Der Wind schwankt so
zwischen 2 und 5, kann sich nicht richtig entscheiden, und es sieht so
aus, als würde er heute noch auf West drehen, d.h. um 180°, wäre nicht
so gut für Helgoland, also doch nochmal Sylt? Wir werden sehen, hoffen
wir erst mal, daß es noch ein bißchen so bleibt. Seekrank ist heute keiner
von uns, scheint, so als würde diese Empfindlichleit langsam vergehen,
bei Micha wächst sie aus dem Gesicht raus, der Bart wird nämlich immer
länger, gehört sich ja auch so für einen Skipper....
17:17
12.05.99
56:22.17 N
07:45.34 E
offene See / Höhe Nissum Fjord
Wind 3 aus Süd, natürlich genau von da, wohin wir
wollen. Es hat aufgeklart und regnet nicht mehr so wie heute Vormittag.
Die Temperatur dürfte so um 15 Grad liegen. Der Wind soll weiter auf Westen
drehen. Wir steuern auf die Westspitze des Hornreefs zu. Ja genau, da
wo wir schon einen auf die Mütze bekommen haben. Eigentlich steuert Daisy
genau gegen den Wind. Derzeit 210 Grad. Wenn Sie auf 240 Grad ist, setzen
wir wieder die Genua. Derzeit unter Motor. Geht alles prima. Die Wellen
rollen zum Teil noch aus Osten an. So ein bis zwei Meter. Wir haben uns
dran gewöhnt. Nathalie zaubert bei dem Geschaukel ein wunderbares Abendessen.
Schlitzaugenpfanne. Gut ich muß jetzt den Wein aufmachen...
22:19
12.05.99
56:03.58 N
07:31.32 O
Motorstundenstand 573 Std.
offene See / Höhe Ringköbing Fjord
Wachablösung. Micha übernimmt die zweite Wache.
Wir entscheiden gemeinsam, daß der Wind jetzt westlich genug steht um
die Genua wieder zu setzen. Na denkste, gesagt getan, aber 2 Knoten. Das
dümpelt ganz schön. Nathalie scheint das nicht zu stören, Sie schnarcht
goldig. Mal schauen ob der Selbststeueranlage so wenig Wind reicht um
den Kurs zu halten. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle einmal erwähnen,
das alle genannten Zeiten in diesem Logbuch UTC Angaben sind.
(Ortszeit=UTC+2Std.) Diese Nacht auf See läuft schon viel ruhiger als
die erste (kein Wunder), es macht uns geradezu Spaß uns an das Bordleben
zu gewöhnen. Wir arbeiten viel mit dem Radar, um sicher zu sein. Die Batterien
halten länger, als ich gedacht habe. Solange ich nicht funke, werden wir
wohl keine Probleme bekommen.
23:53
12.05.99
56:00 N
07:30 E
KüG 199
2,4 Knoten, Motor gestoppt. keine weiteren
Vorkommnisse, außer daß ich von Klabautermännern träume, bis die Eieruhr
das nächste Mal schellt. Daisy macht alles prima alleine. Der Radar sieht
eh besser als ich. Wir haben eine automatische zwei Meilen Warnzone eingegeben,
falls uns ein Tanker niederwalzen will. Schade nur, daß der Radar keine
Ölfässer, Baumstämme oder gar schlafende Wale sieht. Aber dies alles würden
wir mit unseren Augen ja auch nicht sehen. Ich leg mich wieder hin.
00:32
13.05.99
55:59 N
07:29 E
KüG 205
Radar hat mich geweckt. Ein Hochseefischer
wollte wohl wissen wer wir sind oder hatte sonst irgendwie Langeweile.
Der Wind hat weiter westlich gedreht und aufgefrischt. 4 Knoten Fahrt
über Grund. Die Fahrt durchs Wasser ist aber mindestens 6. Hier setzt
ein ziemlicher Strom nach Nord.
01:55
13.05.99
55:27 N
07:27 E
KüG 191
Wachablösung vor einer Stunde. Bin nochmal
mit Micha raus, die Segel neu trimmen, weil es ja eigentlich aufgefrischt
hat. Pustekuchen, jetzt dümpeln wir wieder mit 2,5 kn auf der Nordsee
rum, dafür schnarcht Micha. Ich lese, bin mir nicht so sicher, ob ich
den Radaralarm und die Eieruhr wirklich höre, wenn ich einmal schlafe.
Aber unregelmäßige Schlafgewohnheiten bin ich ja aus den Diensten im Krankenhaus
gewöhnt, nichts neues also... Die Klabautermänner von vorhin sind wohl
auch schlafen gegangen, ebenso die neugierigen Fischer, nichts aufregendes.
04:25
13.05.99
55:45.85 N
07:24.74 E
KüG 183
Wachablösung. Nathalie war ganz schön müde.
Kann ich verstehen. Ist schon wieder hell draußen. Ich habe herrlich geschlafen.
Nen bischen mehr hätte sein können. Wir haben uns entschlossen wieder
den Motor mitlaufen zu lassen. Da is einfach kein Wind mehr.
11:45
15.05.99
55:08 N
07:26 E
KüG 165
Der Satz, Schatz, ich glaube es klart auf, scheint
zum running gag unseres Urlaubs zu werden, heute morgen sah es mal wieder
ganz danach aus, doch der Himmel ist immer noch grau, macht nichts, immerhin
ist die Sicht wieder besser ....Micha schläft wieder, Mittagsschlaf, sonst
ist ja auch nicht viel los hier, immer noch 60 sm bis Helgoland, also
noch mind. 12 Stunden, wahrscheinlich mehr, wird also noch eine Nacht
auf See geben. Der Wind läßt zu wünschen übrig, seit Stunden fahren wir
un schon mit Motorunterstützung, so langsam nervt der Krach, die Alternative
ist aber auch nicht besser, Dümpeln auf der Nordsee, allerhöchstens gut
zum Angeln....
54:10.58 N
07:53.52 E
Motorstundenstand 595 Std.
Helgoland / geliebtes Deutschland
Wieder auf Helgoland, ausgeschlafen und genervt.
So leer wie es bei unserem Besuch war um so voller ist es diesmal. Hat
das was mit dem Feiertag zu tun?. Ist wahrscheinlich. Mein Gott, liegt
hier ein Geld herum. Wir fühlen uns etwas fehl am Platz mit unserer Iron
Lady. Hier geht´s mehr darum zu zeigen was man hat oder auch nicht. Können
diese Dinger auch Segeln? Manche wohl besser als wir. Die Boote liegen
in sogenannten Päckchen. Am Hafenbecken ist direkt ein großes Bierzelt
aufgebaut aus denen Gemischtwarenmusik dröhnt. Na dann Prost heute abend.
Hier wird Vatertag gefeiert wie es sich gehört. Nathalie ist ziemlich
angepißt, weil unser Bootsnachtbar, der jeden Regentropfen sofort wegwischt,
also er tut schon die ganze Zeit nichts anderes, uns gebeten hat nicht
mit unseren Straßenschuhen über sein Teakdeck zu laufen. Das war genau
der richtige Ton für Nathalie. Und ich müßte mir dann die ganze Zeit anhören,
was für ein Idiot das ist, mit seiner allerdings wunderschönen Senta aus
Bremen. Das Wetter ist wieder ein bißchen besser geworden und wir haben
uns dazu entschlossen bald auf eine der friesichen Inseln zu verholen.
Zum Thema Helgoland habe ich mich ja schon genügend ausgelassen, wir haben
uns trotzdem natürlich neu mit billigen Zigaretten und Alkohol verprovantiert.
Vielleicht versuchen wir ja auch noch mal Diesel zu bunkern. Das Wetter
ist auf jeden Fall günstig um langsam Ziel auf Holland zu nehmen. Von
Dänemark sind wir also in einem Schlag nach Helgoland zugegeben mehr motort
als gesegelt. Doch wir wollten natürlich auch wissen, wie sich unser soziales
Verhalten auf einem so recht langen Törn verhält.
Ein bißchen Seefrust hatten wir schon, aber eigentlich war es nicht weiter
schlimm und beschränkte sich bei uns beiden auf wenige Stunden. Helgoland
haben wir dann gegen zwei Uhr nachts erreicht und angesteuert. Mit veralteten
Karten einen übermüdeten Navigator. Gar nicht so einfach, aber mit Radar
haben wir uns dann so langsam in den Hafen geschlichen und ein 1a Anlegemanöver
hingelegt. Hat aber leider keiner gesehen. Das einzige, was uns ein bißchen
traurig macht ist die Tatsache, daß der Lack an der Bordwand irgendwie
gelb wird. Allerdings nur der alte Lack, die Stellen, die Klaus ausgebessert
hat bleiben hübsch weiß. Ganz schön dreckig die Nordsee. Das stinkt nach
Arbeit. Im Moment sieht es ein bißchen komisch aus. Nun gut wir können
damit leben. Nicht so wie unser Nachbar.
15.05.99
20:41:51 N
53:33.74 E
06:45.10 Motorstundenstand:
597 Borkum / Deutschland
Einfach ein genialer Segeltag liegt hinter
uns. Das Barometer steigt stetig. Gegen 7:00 Uhr Ortszeit sind wir etwas
verschlafen aus der Koje gekommen. Wir waren gestern abend auf Helgoland
noch aus und haben beide viel Caipirinha getrunken. Wie sonst sollte man
das Bierzelt am Hafen auch ertragen? Zu gegebener Zeit sind wir tot ins
Bett gefallen. Morgends dann ein riesen Chaos im Hafen, als die ganzen
Boote möglichst schnell noch die ablaufende Tide mitbekommen wollten,
um schnell ans Festland zu kommen. Wir noch etwas verschlafen folgen den
Holländern, die neben uns im Hafen lagen und sehr nett waren. Ihr Schiff
heißt Beluga, Marke Selbstbau, Stahl und mit viel Liebe, gut 14 Meter
lang und ganz schön dick. Vor Helgoland Kurs auf Langerog, die Holländer
verlieren wir schnell aus unserem Gesichtsfeld, da deren Boot viel schneller
ist (Zweimaster). Es ist recht frisch und weht aus NW mit 6Bf. Die Wellen
türmen sich im Laufe des Tages auf 3,5-4 Meter. Über Helgoland noch eine
große, dunkle Wolke, die uns bis zum Mittag begleiten wird ohne uns aber
einzuholen. Hähä. Gut zwei Seemeilen, da wird Nathalie erst mal so richtig
schlecht. Tja, der Alkohol, steht doch in jedem Segellehrbuch, daß das
nicht gutgeht. Sie erholt sich aber schnell wieder. Wir sitzen gerade
gemütlich hinter der Sprayhod, als uns eine Super-Super-Welle von der
Seite erwischt. Sie bricht über das Boot, in der gesamten Länge. Wir sehen
nichts als einen halben Meter dicken Wasserfall über die Sprayhood brechen.
Die Plicht steht Wadentief mit Wasser voll, daß aber schnell durch die
Lenzrohre verschwindet. Guten Morgen, wir hatten ja auch noch nicht geduscht.
Ich war stark beeindruckt von der Welle und habe mich noch mittags immer
wieder daran erinnert. Wir rechneten natürlich mit weiteren Attacken der
Mordsee gegen unsere gute Laune, doch nicht passierte weiter. Der Wind
frischte weiter auf, die Wolken waren weiter mit uns. Mit stark gerefften
Segeln hatten wir zwei Seetrennungsgebiete vor uns. Autobahnen für Super-Giga-Tanker,
die allerdings keine Bremsen haben. Ganz schön was los da, wir hatten
alle Augen voll zu tun, uns da durch zu manövrieren. Und schnell sind
diese Pötte vielleicht. Die ganze Zeit liefen wir bei halben Wind schon
5-6 Knoten, das ist schnell für die Iron Lady! Kaum in Küstennähe kamen
wir in den Genuß von der Ost-West setzenden Strömung. Über sieben Knoten.
Geil. So macht segeln Spaß. Gute Krängung. Viel Wind. Und jetzt können
wir auch den dunklen Wolken entwischen und bekommen Sonnenschein, davon
gar nicht zu wenig. Zeit für das erste Tuborg. Wir schaffen richtig Meilen.
Eigentlich wollten wir nach Norderney einlaufen, doch das können wir knicken.
Ablaufendes Wasser steht gegen Starkwind, das brauchen wir nicht. Die
Wellen, die sich unter solchen Bedingungen sind der reinste Horror. Schwipp-Schwapp-Wellen
heißen die, nach Wnuk definition. Man erzeuge in der Badewanne mit der
rechten und linken Hand Wellen gegeneinander, dann kann man sich vorstellen,
was passiert. Ich wollte noch nicht einmal ausprobieren, ob wir da durchkommen.
Wir ändern unseren Törnplan auf Borkum ab. Hinter uns taucht am Horizont
ein Segelboot auf und wird langsam größer. Langsam erkennen wir das Boot.
Die Beluga, die wir auf Helgoland getroffen hatten. OhOh, die sind jetzt
bestimmt sauer, wenn sie uns vor sich erkennen. Nathalie ist mächtig stolz,
auf Ihre Törnplanung. Ich bin auch mächtig stolz auf meine Nathalie. Das
hat sie wirklich prima hingekriegt. Langsam kommt die Beluga näher. Micha
wird sportlich und setzt wie wild Segel und holt Sie wieder rein. Nicht
zu machen, die Beluga ist einfach schneller. Mal wieder merken wir, wie
schlecht wir am Ruder sind. Den ganzen Vorsprung haben wir auch Daisy
zu verdanken, die immer so exakt am Wind steuert. Kaum gehen wir von Hand
Ruder, verlieren wir an Kursstabilität und Geschwindigkeit. Daisy hat
eh 98% des Tages gesteuert, also warum nicht weiter. Bis nach Borkum schaffen
wir die Beluga nicht mehr zu überholen, aber wir laufen keine 10 Minuten
nach Ihr ein, wir sind ziemlich stolz auf unsere IronLady, die Holländer
ziemlich sauer. Der Navigator der Beluga hält dann auch im Hafen noch
einen kleinen Erfahrungsaustausch mit Nathalie. Sie lächelt, als Sie wiederkommt.
Jetzt gibts Spaghetti von Mama, und ich schreibe auch schon wieder viel
zu viel. Es war der schönste Segeltag in diesem Urlaub. Sicherlich, weil
auch endlich mal wieder die Sonne richtig schien. Guten Appetit. Prost.
Und gute Nacht.
16.05.99
17:21:39 N
53:33,74 E
06:45,10
Motorstundenstand: 597
Heute: Landgang, oder besser Landfahrt. Nach
einem Frühstück in er Sonne an Deck und Warten auf den Hafenmeister, sind
wir endlich zu unserer wohlverdienten Dusche und zwei Damentourenräder
mit luxuriöser Drei-Gang-Schaltung gekommen. Denn Borkum ist gar nicht
so klein und auf die inseleigene Ausflugsbahn hatten wir keine Lust. Also
gingen wir der Iron Lady fremd und haben uns auf zwei Rädern fortbewegt.
Die Ostfriesen sind schon irgendwie ein bißchen seltsam, alles geht hier
ganz langsam und lächeln können sie auch nicht.
Der Ort Borkum selbst reichte uns nur zum Mittagessen, danach ging`s weiter
in die Dünen zum Mittagsschläfchen. Tja, angespornt durch Borkumprospekte
mit verliebten Päarchen in den Dünen und diverser Bier- und Zigarettenreklame,
die ja oft ähnliches zeigt, haben Micha und ich uns dann ein lauschiges
Plätzchen hinter einer Düne gesucht und ein bißchen in der Sonne gedöst.....Auf
dem Rückweg zu unseren Rädern zeigte sich dann, daß sämtliche Hochglanzbilder
gelogen haben, war nämlich absolut verboten, wie uns ein junger, befernglaster
Informationsornithologe berichtet. Wie gut, daß uns niemand amtliches
erwischt hat, meinte er noch und wir durften mit einem Packen Infoblättchen
und ohne Bußgeld von dannen ziehen.
Micha ging`s Gott sei Dank so gut, daß er noch nicht mal einen dummen
Spruch für den Dünenschützer übrig hatte. Ab da sind wir dann auch brav
auf den gekennzeichneten Radwanderwegen geblieben, is ja auch eigentlich
richtig so. Bestimmt 30 km sind wir heute geradelt, bin mal gespannt,
was die Muskeln morgen zu dieser ungewohnten Bewegung sagen.... Anbei
vielleicht noch ein paar wichtige Übersetzungen der Seglersprache, wie
ja mittlerweile von mehreren Seiten eingefordert wird. 1. Sundowner: das
ist das, was man trinkt, wenn man in einem neuen Hafen angekommen ist
und gerade festgemacht hat. 2. Schoten: Das sind immer die Strippen, mit
denen man die Segel bauchiger machen (fieren) oder strammer machen (dichtholen)
kann 3. Genua, Fock und Groß: Das sind unsere drei Segel, das Groß ist
am Baum, die beiden anderen sind vorne 4. Reffen: Segel kleiner machen
5. 1 Knoten = 1 Seemeile / Stunde = 1,852 km/h Das sollte erst mal reichen,
Micha möchte Backgammon spielen, ich auch.
19.05.99
18:36:47
53:17.76 N
05:05.41 E Vlieland / Holland
Motorstundenstand 607
Lange ist`s her seit dem letzten Logbuchbericht
- und viel ist passiert. Am Montagmorgen sollte es eigentlich nach Norderney
gehen. Der Törn war geplant, Strömung, Tide, Wasserstand, alles minitiös
ausgerechnet, und so dachten wir, als wir um 06.00 morgens die Leinen
losmachten, in 8 Stunden wieder m Hafen zu sein. Denkste! Der Wind hatte
leider gedreht von N auf WNW, so daß unsere Kurslinie genau gegen den
Wind lag. Nicht so schlimm, dann üben wir halt mal wieder Segelmanöver
wie früher und kreuzen schick nach Norderney. War schwierig, aber irgendwie
noch zu machen.
Nach ca. zwei Stunden stellte ich dann fest, daß einer von uns beiden
die Seeventile der Toilette nicht zugemacht hatte. Es ließ sich Gott sei
Dank nicht mehr feststellen, wer es war.....Toilette etwas unter Wasser,
aber auch nicht so wild. Nach weiteren zwei Stunden kreuzen, hatten wir
die Schnauze voll, wir haben kaum Strecke gutgemacht und die Iron Lady
warf sich kopfüber immer wieder in die Wellen und uns von rechts nach
links. Also, Kehrtwende und neuer Kurs Terschelling. Schnell im Revierführer
und Gezeitenhandbuch nachgesucht, alles wunderbar, die Strömung läuft
mit uns und wird uns sicherlich noch 1-2 kn mehr Geschwindigkeit bringen.
Die Sonne scheint, Windstärke 3-4, Wind von hinten, das perfekte Wetter
um Fock und Genua auszubaumen.
Daisy steuert, Micha und Nathalie baumen aus, war alles nicht so einfach,
schließlich sind die ganzen Tampen und Fallen noch neu für uns, und solange
Daisy noch nicht die perfekten Segel hat, kommt sie schon mal gerne vom
Kurs ab. Nach dem ersten richtigen Schlenker hat dann auch Micha lieber
seine Sicherungsweste angezogen.... Kaum waren wir damit fertig und freuten
uns darauf nun den Rest des Weges bis Terschelling mit Buch und Bier auf
dem Vordeck zu verbringen, sagte uns ein Blick in den Motorraum, daß wir
Wasser in der Bilge hatten. Ziemlich viel Wasser! Woher? Eigentlich konnten
wir kein Leck haben, aber die Seeventile waren ja offen....Während nun
Micha unten in Bilge rumturnte und Wasser schöpfte, frischte der Wind
draußen auf, eigentlich schon zu viel Segel, und Daisy nahm Kurs auf ein
Gefahrengebiet....Also mußte ich selber Ruder gehen. War ganz schön anstrengend,
denn die Dünung hatte natürlich auch zugenommen, und diese 12 Tonnen Boot
mit zuviel Segel bei viel Seegang auf Kurs zu halten ist ganz schön anstrengend.
Sollte vielleicht doch mal mit Hanteltraining beginnen. Bilge endlich
wieder leer, kam auch kein Wasser mehr nach, Glück gehabt, Micha kam wieder
rauf, Stück für Stück vekleinerten wir unsere Segel und alles sah gar
nicht mehr so wild aus. Auf der Nordsee wimmelt es von Tonnen, viele Tonnen,
jede hat ihre Bedeutung und eine bestimmte Seite an der man sie passieren
muß. Es gibt Menschen, die unterschätzen die Bedeutung von manchen Tonnen.
Dazu gehört Micha. Es gab eine Tonne die zeigte sowohl die Grenze eines
Schießgebietes an, als auch die Grenze zur 10m-Tiefenlinie. Beides habe
ich ihm als guter Navigator mitgeteilt. Doch da Micha meinen Respekt vor
Schießgebieten nicht teilt, muß er wohl das mit den 10 m überhört haben
und schickt sich nun an, die Tonne an der falschen Seite zu passieren,
im Süden zur Küste hin und nicht im Norden.... Irgendwann guckte er dann
etwas irritiert und nervös, als er immer näher auf ein Gebiet mit starker
Brandung zusteuerte, das ist also so eine 10m Linie, ganz schön heftig....Das
Schießgebiet haben wir sehr schnell wieder verlassen und vielleicht hört
er ja demnächst noch ein bißchen besser auf mich!!! Als nächstes stellten
wir fest, daß die Schaltung des Motors kaputt war, außer Leerlauf ging
nichts mehr. Natürlich, ist ja auch Montag, wie könnte es anders sein.
Aber mein toller Maschinist Michael, hat auch das wieder beheben können...
In der Zeit frischte der Wind immer mehr auf, mittlerweile wehte es sicherlich
mit mind. 6 Bf. und eine ziemlich unangenehme Dünung hatte sich aufgebaut.
So gegen 21 Uhr hatten wir dann unsere Zweifel, ob wir überhaupt nach
Terschelling reinkommen. Die Segelfläche hatte mal wieder die Größe eines
Handtuchs, drinnen rappelte alles, totales Chaos im Boot, kennen wir ja
schon, war nur noch halb so wild wie beim ersten Mal, aber schön ist das
trotzdem nicht.. Um ca. 23 Uhr standen wir dann vor der Ansteuerungstonne
des Seegatts nach Terschelling und Vlieland mit sorgenumwogener Stirn
und haben uns mit einem etwas mulmigen Gefühl dazu entschieden, den nächsten
Hafen, nämlich Vlieland, anzulaufen, ohne Segel, nur unter Motor . Im
Dunkeln, durch Sandbänke, gegen den Wind usw, usw. Es war genauso schrecklich,
wie wir es uns gedacht hatten, binnen 10 min, waren wir beide komplett
naß, die Tonnen konnte man nicht immer erkennen, wenn man gerade in einem
Wellental war, ich habe zwischendurch eine von diesen unzähligen Blinklichtern
falsch identifiziert und uns fast auf eine Sandbank gelotst und es wurde
immer dunkler. Mittlerweile hatte auch die Ebbe eingesetzt, so daß wir
gegen die Strömung steuern mußten. Bei meinen Sprints von der Seekarte
unter nach oben zu Micha und den Tonnen bemerkte ich dann einen etwas
seltsamen Geruch im Boot, Auspuffgase, Öl oder was auch immer. Beunruhigend,
aber keine Zeit zu gucken wo das her kommt. Irgendwie haben wir es dann
aber um die Ostspitze von Vlieland geschafft und hätten eigentlich die
Hafeneinfahrt von Vlieland sehen müssen. Aber da war keine. Viele Lichter,
aber nirgendwo rot und grün nebeneinander, mit GPS, Radar, Karte und Tonnen
haben wir uns dann langsam die Küste entlanggehangelt und waren mehrmals
kurz davor festzusitzen. Der Hafen den wir dann zu sehen glaubten, hofften
entpuppte sich als einfacher Fähranleger, zu dem Zeitpunkte steuerten
wir dann eine der Tonnen direkt an, Taschenlampe raus, lesen um welche
es sich denn nun genau handelt und zurück der Weg, Tonne für Tonne. Im
Licht der Taschenlampe ließ sich dann endlich die Hafeneinfahrt ausmachen,
das grüne Feuer war wohl kaputt. Die Hafeneinfahrt war schweineeng, das
Wasser schoß nur so heraus und zu allem Überfluß hatten wir ja auch noch
die beiden Spibäume draußen. Die mußten natürlich erstmal irgendwie runter.
Ich bin nach vorne auf`s Deck, während Micha vor der Einfahrt enge Kreise
zog und habe die Bäume hochgezogen, reichte fürs erste. Angelegt haben
wir dann in der Hafeneinfahrt vor einem ziemlich dicken Frachter, der
die Einfahrt noch enger machte. Vielleicht wären wir ja noch dran vorbeigekommen,
aber wir beide waren zu müde und kaputt um noch mehr Beinahkatastrophen
zu erleben. Eine Stunde waren wir dann noch damit beschäftigt Ordnung
an Deck zu machen, die Iron Lady sicher zu vertäuen und das Bootsinnere
zu entlüften, dann Koje, schlafen. Am nächsten Morgen weckte und der Hafenmeister,
daß wir spätestens in einer in den Hafen verholen müssen, da der Frachter
dann ausläuft. Es gab dann noch den kurzen frustranen Versuch nach Terschelling
überzusetzen, wieder gegen Wind und Strömung, Micha hat ziemlich schnell
von diesem Vorhaben abgelassen, so daß wir dann doch endlich in den Hafen
von Vlieland eingelaufen sind . Schwieriges Anlegemanöver, unser erster
Kratzer im Lack, aber keine Delle. Wunderschöner Tag, Sonnenschein und
wir beide legen uns erst mal für eine halbe Stunde auf den Steg. Der Rest
des Tages verging dann mit Duschen, Saubermachen, Wäschewaschen, Schäden
begucken und viel Nichtstun und in der Sonne sitzen. Wir wollen ja erholt
aussehen. Es tut aber immer noch alles weh, ich habe meine üblichen blauen
Flecken und wir beide Muskelkater bis in die Haarspitzen. Im Laufe des
Tages legte dann ein schönes 10m Plattbodenschiff an unserer Iron Lady
an. 6 Jungs auf dem Boot, von denen mir ein paar ziemlich bekannt vorkamen,
natürlich, waren ja auch aus Düsseldorf und mit Mirko hatte ich schon
im Schepeler zusammen gearbeitet. Mit mir kann man auch nirgendwo hingehen,
ohne daß ich Gastronomiebekanntschaften treffe, sagt Micha. Der Gestank
im Schiff, stellte sich als kaputter Kühlschrank heraus, zu dumm, keine
kalten Getränke mehr, das gute Stück hat wohl bei der ganzen Schaukelei
zu viel Schlag abgekriegt. Abends gab`s dann Fisch im kleinen Örtchen
Vlieland, sehr hübsch und der Fisch sehr lecker. Allerdings war unsere
Scholle in Torsminde noch besser.... Heute war dann Arbeiten angesagt.
Sämtliche Schapps mußten ausgeräumt und mit Süßwasser ausgewaschen werden,
da ja durch die offenen Seeventile Salzwasser reingezogen war, das gibt
fiesen Rost, wenn man nicht alles ordentlich vom Salz befreit. Brav haben
wir uns diese Sauarbeit aufgeteilt und sind abwechselnd in der Bilge rumgkrochen.
Nie wieder werden die Seeventile offenlassen....Micha hat sogar den Kühlschrank
wieder repariert, toller Handwerker!!! Außerdem haben wir endlich anständige
Boxen um die Charthits der Plattbodenschiffe mit Schulklassen zu übertönen.
Na ja, und was man sonst noch so alles macht, endlich mal wieder einkaufen,
abends den Grill ausprobieren. Micha hat gekocht, neuer Smutje, gutes
Essen, ungesund, aber lecker. Die Hälfte der Ereignisse habe ich sicherlich
vergessen, aber das langt wohl auch erst einmal....
20.05.99
53:03.26 N
05:23.56 E
Motorstundenstand 612
Makkum / Holland
Von Vlieland aus sind wir heute morgen gen
Makkum / Ijsselmeer verholt. Binnengewässer: Irgendwie ganz schön langweilig
nach so einem schönen Segeltrip über die Nordsee.
Der Wind auf der Waddensee war sehr ruhig. Mit auflaufender Tide haben
wir uns zu der Schleuse Kornweder schieben lassen. Zwischendurch ein bißchen
gesegelt, wenn es denn genug Wind gab. Der Schleusenwärter hat noch ein
Plattbodendampfer hinter uns plaziert. Mein Gott war das eng. Nun ja,
daß können wir in Zukunft ja noch zu Genüge üben. Dahinter Schlag nach
Makkum und in unseren neuen Heimathafen. Nach 700 Seemeilen (1300 KM)
freuen wir uns auf ein bißchen Ruhe und den abschließenden Törn mit meiner
Schwester Susanne, Raimund und Julian. Anlegen in der neuen Box klappt
auch recht schnell; zwei Versuche...
Und dann hole ich erst mal mit dem Schlauch die Salzkruste von der eisernen
Lady und Nathalie macht Chili con Carne. Nachher fahren wir mit dem Dingi
ins Dorf und werden erst mal feiern...
22.05.99
18:11:06
52:52.42 N
05:21.81 E
Stavoren / Holland
Gestern sind die Habrocks angekommen. Nach
ein bißchen Eingewöhnungsphase sind alle recht früh ins Bett um morgens
recht frisch aus den Kojen zu kommen. Heute morgen hat sich Raimund dann
Zug an der Schulter geholt und sah ganz und gar nicht gut um die Nase
aus. Es ging ihm so schlecht, daß Ihm übel war. Er hat sich dann ins Auto
gelegt um seine Ruhe zu haben. Nathalie hat Ihm dann eine Voltaren Tablette
verpaßt. Gegen Mittag ging´s ihm dann besser und wir sind auf´s Ijsselmeer
raus. Guter 5-6 aus West rauscht uns bei der Ausfahrt aus Makkum Marina
entgegen. Wir setzen Segel und Raimund am Wind Ruder. Schnell sind Schmerzen
und Übelkeit vergessen, bei meiner Schwester Susanne sieht´s aber gar
nicht so gut aus. Nun ja, so wenig Wind haben wir auch wieder nicht. Auf
halben Weg nach Enkhuizen geht es Susanne immer schlechter. Wir entscheiden
Stavoren anzulaufen um Ihr weiteres Leid zu ersparen. Das Anlegemanöver
ist absolut unproblematisch. Ist halt schon ein Unterschied, vier oder
zehn Hände beim Anlegen zu haben. Nach Einweisung in den richtige Liegeplatz
für die Nacht setzt Nathalie ein geniales Risotto "Mama Italiana" an...
Das haben wir jetzt hinter uns gebracht. Die Crew liegt faul in den Polstern.
Der Sauerstoff zeigt seine Wirkung. Sobald die Sonne untergeht wird die
Crew wohl schlafen gehen.
23.05.98
Makkum / Holland
Gerade sitze ich im Auto und genieße eine
Mark´s MP3 CD´s. Schön, wenn man nicht selber fahren muß. Rückreise ist
angesagt. Das war´s wohl mit Urlaub. Morgen wieder arbeiten. Nathalie
schaut neugierig was ich so auf dem PC treibe... Von Stavoren haben wir
am nächsten Morgen einen kleinen Schlag mit viel am Wind Kurs und so...Wenden!!!...gemacht.
Raimund macht gerade seinen Küstensegelschein. Klar, wir waren auch mal
so. Also lassen wir Susi (hat gerade Ihren Binnensegelschein gemacht!)
und Raimund nach Enkhuizen segeln. Es ist relativ windig. Selten habe
ich so viele Segelyachten auf so kleinem Raum gesehen. Manchmal bekomme
ich richtig Angst, daß wir mit unserer Lady platt gefahren werden. Aber
wenigstens nicht so viele Deutsche wie ich ursprünglich vermutet habe.
Recht flott erreichen wir Enkhuizen / alter Hafen. Gut, ich kenne Enkhuizen
schon durch diverse andere Segeltörns auf dem Ijsselmeer, ein richtig
romantisches kleines Dörfchen halt. Mit einem wunderschönen alten Hafen
im Stadtzentrum. Mit sehr grünen Bäumen gesäumte Kaimauern. Ein freundlicher
Hafenmeister weist einem einen Platz zu. Da Pfingsten ist, hieß es natürlich
Päckchen liegen. Nachdem noch andere Boote angekommen sind liegen wir
an dritter Stelle zur Kaimauer. Aber wohl noch 6 andere Boote zum Hafenbeckenzentrum
hin. Susi und Raimund kannten so etwas noch nicht, wir schon aus Helgoland.
Sie waren schon schwer verwundert. Zur Sicherheit haben wir sogar noch
eine dieser langen Panamaleinen als Landleine ausgelegt. Als einzige.
Die Niederländer nehmen das wohl nicht so ernst. Stimmt, kann man ja auch
machen, wenn der Wind wirklich auffrischt. 6 Boote a durchschnittlich
4 Personen, die alle zum Landgang, Toilette, Dusche, Besuche, Hochzeiten
und Geburtstagen über unser Boot müssen, also 24 Personen. Insgesamt 144
Male stolperte also irgend jemand in seinem mehr oder weniger nüchtern
Zustand über irgend etwas auf der Iron Lady. Wir machten also Landgang
und haben erst mal einen Tisch für abends reserviert. Scholle ohne Ende
stand an der Wand. War ich voll mit Scholle. Mit dem entsprechenden Wein
dazu ließ sich die Trampelei auf dem Boot allerdings gut ertragen. Nathalie
und ich waren um 21Uhr im Bett. Als Segler steht man früh auf und geht
früh ins Bett. Am nächsten morgen hielten die Holländer neben uns es aber
eher nicht seglerisch. Irgendwie machte keiner Anstalten mal aufzubrechen.
Wie gewohnt passierte dann plötzlich wieder alles ganz schnell und irgendwie
waren wir in 8 Minuten aus dem Hafen. Das Wetter war recht bescheiden,
niesig bis diesig und hunderte von Segelbooten auf dem Ijsselmeer. Wir
hatten den Wind schräg von hinten und sind ohne weiteres in knapp vier
Stunden nach Makkum gelaufen. Keine weiteren Vorkommnisse, Susanne und
Raimund segelten uns sicher über Ijsselmeer, fast so gut wie Gustav und
Daisy. Zu guter Letzt hat Nathalie das Ruder übernommen und ist eine Patenthalse
gefahren, mit Bullenstander. Hat geknallt. Das Unterlieg vom Großsegel
ist gerissen. Trübe Stimmung an Bord, so etwas ist halt immer Scheiße,
aber besser auf dem Ijsselmeer als Mitten auf der Nordsee. Tja, so etwas
kann jedem passieren. Wir haben ja noch ein Ersatzgroß. Und die Segelwerkstatt
bekommt das schon wieder hin. Unter Motor sind wir dann die letzte Meile
bis in unsere Box gefahren. Wir haben klar Schiff gemacht. Tja und jetzt
ist der Urlaub schlußendlich, unwiederbringlich zu Ende.
03.06.98
Makkum / Holland
Unser erster "Nicht-Urlaub-Aufenthalt" auf
der Iron Lady. Ein großes Abenteuer; für Aileen. Ich habe die Landungsplanke
vergessen. Also muß Aileen erst mal an Bord getragen werden. Sie mag das
nicht, Ihr ist das eh alles suspekt, uns wiegt dieser Hund einfach zuviel.
Das alles mitten in der Nacht. Nun gut, es windet um sechs BF und alles
klappert und scharrt im Hafen, daß liebt Aileen besonders (ironische Randbemerkung).
Sie liegt die ganze Nacht unter dem kleinen Dreieck der Koje (wirklich
klein) und macht wahrscheinlich kein Auge zu. Am nächsten Morgen heißt
es dann für sie, erst mal den steilen Niedergang zu erklemmen. Sie trägt
es mit Fassung. Ich habe das Rennrad mitgenommen (macht sich sehr gut
an Deck und zeigt allen, daß wir wohl keine normale Segler sind) und fahre
mit Aileen um den nahegelegenen See zum Brötchen holen. Danach verbringen
wir den lieben langen Tag mit Arbeiten am Boot. Auf einem Acker entdecke
ich eine Planke um Aileen den freien Zugang zum Boot zu verschaffen. Mit
der Stichsäge richte ich es her und vertäue es im Bugsprit. Alles prima,
Aileen kann jetzt selber von Bord und zurück. Einkaufen und Bier trinken
füllen den Rest des Tages. Es ist warm und wir vertreiben uns die Zeit
mit Backgammon spielen an Deck. Aileen soll Zeit haben sich erst mal ans
Boot zu gewöhnen. Am Nachmittag holen wir das gerissene Rollgroß vom Mast
und tauschen es gegen das Ersatzsegel. Natürlich erwischen wir das Genuasegel
und merken es erst als wir es schon hochgezogen haben. Wir schauen uns
um, ob uns jemand gesehen hat. Wie peinlich, nun wir werden auch das noch
lernen. Nathalie ist in den Mast gestiegen, bis ganz oben, mit den typisch
weichen Knien kommt Sie wieder runter und ist mächtig stolz. Zu Recht,
wie jeder weiß, der das schon mal gemacht hat. Langsam dunkelt es und
wir gehen beim Chinesen eine Reistafel essen. Ambiente eigenartig, das
Essen prima - nicht üblich bei Chinesen. Seeluft macht müde, also früh
ins Bett. Am nächsten Morgen geht es Aileen schon viel besser. Sie bewegt
sich auf dem Boot schon sicher. Später hat sie sogar einmal gebellt, als
fremde Leute am Boot vorbeigingen. Eigentlich wollten wir ein bißchen
Segeln, aber das fällt aus wegen Regen und zu viel Wind für den ersten
"mit Hund Segeltörn". Wir frühstücken bis 13:30. Danach fahren wir zum
Segelmacher. Es soll 100 Gulden kosten, das ist o.K. Wir kaufen noch eine
Karte und Relingsnetz fürs Boot. Das ist viel Arbeit, aber wir haben ja
auch viel Zeit. Das wird nachher sehr schön aussehen und ist sicherer
für Hunde und Kinder, damit die nicht unter der Reling durchrutschen.
Am Boot angekommen fängt es an zu plästern. Die Pläne von Streichen, Relingsnetz
und sonstigen Arbeiten am Boot werden diskussionslos verworfen. Wir gammeln
bis in den Abend und fahren danach mit Aileen spazieren. Es hört auch
schon wieder auf zu regnen. Tja, so war das, nicht sehr aufregend, nicht
sehr seglerisch, aber entspannend. Morgen ist ein neuer Tag, wir werden
sehen was passiert.
06.06.99
Makkum / Holland
Der neue Tag hat erst einmal mit Dauerregen
angefangen, alles ist grau in grau. Na super, nix segeln, nix werkeln
also besorg ich erst mal Geld und Zigaretten. Das Relingsnetz ist natürlich
zu kurz, wir wußten halt gar nicht wie lang unser Boot überhaupt ist.
Wir fahren in den Segelladen und bekommen das Netz problemlos ausgetauscht.
Wir sind glücklich und fahren zurück zum Boot. Hier erleben wir wie ein
kleines Loch im Himmel sich zu einer Gut-Wetter-Laune entwickelt. Prima
wir können an Deck und schleifen, knüpfen, knoten und machen. Auch Aileen
findet das alles prima. Der Wind flaut ab und wir haben gute Laune, was
sich bei jeder annähernden Kumuluswolke in Stirnrunzeln ändert... Gegen
abend ist das Relingsnetz angebracht, jetzt sehen wir wirklich wie Blauwassersegler
aus. Unser Schiff entwickelt sich zum Sightseeing Objekt. Gegen abend
wird es derart warm, daß wir uns entscheiden in der Plicht zu essen und
unseren Grill anzuwerfen. In der Hoffnung auf gutes Wetter hatten wir
gut eingekauft. Ein herrlicher Abend, Steaks vom Grill, auch für Aileen
fällt genug runter. Für Sonntag planen wir bei diesem Wetter ein bißchen
zu segeln... Pustekuchen. Sonntag ist Regentag. Zumindest bis Mittag,
dann klart es auf. Im Moment zuviel Wind für einen Probetörn mit Aileen,
aber gegen abend wird es bestimmt besser. Danach ist Heimreise angesagt.
Schade, daß dieser kurze Urlaub schon wieder zu Ende ist. Ölwechsel bei
617.
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