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Sao Nicolau - Mindelo "Alibaba und die vierzig Räuber"

Wie immer kann man eigentlich in unseren Logbuchberichten ganz genau verfolgen, was uns Tag für Tag beschäftigte, was uns berührte, oder wie auch immer. Die Reiseberichte schreiben wir, wenn alle Photos entwickelt sind, wenn wir meist schon ein paar Tausende von Meilen weiter sind und unsere Impressionen schon die Vergangenheit wiederspiegeln. Tja. Und wie ist das ? Man vergisst alles Negative und erinnert sich an die positiven Dinge der Zeit.
Auf der Insel Boa Vista wären wir ja fast schon kleben geblieben. Ein Job und ein Haus wären bestimmt schnell gefunden gewesen, doch wir sind der Segelei ja nun wirklich noch nicht müde geworden. Auch wenn unsere Internetseiten irgendwann mit den Worten charakterisiert werden: "Das Team der Iron Lady überzeugt durch die wahrscheinlich langsamste Weltumsegelung der heutigen Zeit", schaffen wir es doch immer wieder das Eisen vom Grund zu holen und mit dem Passatwind weiter Richtung Westen zu segeln.

Auf dem Weg nach Mindelo war unser erstes Ziel die Insel Sao Nicolau. Nach einem wunderschönen Nachttörn erreichten wir den Südzipfel der Insel gegen Mittag und schnell ging es in die erste Bucht, einfach zum Schauen, zum Staunen. Wir sollten lange Zeit bis in die Karibik und auch dort erst auf der Insel Bonaire, nie wieder so klare Sicht unter Wasser haben. Crystal clear water unter dem Kiel, fünfzig Meter Sicht unter Wasser ! Wow ! Schnell waren die Skipper mit Brille und Flossen im Wasser, doch keine zehn Minuten später entdeckten wir einen schlafenden Riffhai von 2,5 Meter Länge direkt unter der Lady, wodurch der Badespass etwas getrübt wurde. Doch auch der Schwell ließ uns schnell nach Tarafal de Sao Nicolau weiterverlegen. Dort befindet sich die größte Thunfischfabrik der kapverdischen Inseln und entsprechend ist auch die Qualität des Hafenwassers nicht so besonders. Blut und Abfälle finden ihren Weg ins Meer, was natürlich die Haie anlockt. Aber dazu später.

Wie immer nach einem neuen Landfall beginnt der aufregende Weg mit Kamera und Rucksack in das neue Land. Dies ist wohl einer der schönsten Momente nach jedem Ankerfall und begrüßt wurden wir, wie auf jeder Insel der Kapverden von den Kindern.

Wie auf allen anderen Inseln, gibt es kein fliessendes Wasser. Somit beschäftigen sich viele Familienmitglieder einen Teil des Tages mit Wasserholen.
Und viel Wasser wird benötigt in Tarafal, denn der allseits gegenwärtige Wind von Sal und Boavista fehlt hier aufgrund der Berge. Heiß und stickig ist es, wieder ein neues Klima für uns.

Schon am nächsten Tag war klar, dass wir einen Trip in die Berge machen. Vergessen wir erst einmal alles über die bisherigen Inseln und starten in einem vollgepackten Toyota zwischen Hühnern und Schulkindern. Ribera de Brava heisst der Zielort mit viel Historie. Spanier, Portugiesen und all so´n Volk mit Kulturanspruch hat sich hier schon rumgetrieben. Auch die Kirche hat hier ihre Spuren hinterlassen. Man merkt, dass meine Begeisterung für so etwas zum Leiden der Capitana manchmal etwas zu wünschen lässt. Leben und Leben lassen, heißt meine Devise, aber ich bin dann doch hinterhergetrabt. Rauf und runter in engen Gassen und alles bei der Feuchtigkeit. Ich fand den Ort nicht ganz so spannend, wohl am ehesten wegen der Wolken und der grauen Farbe. Erinnerte mich das an die Eifel ? Wohl etwas.

Doch schon bald bessert sich das Leben. 2 Seemeilen zurück Richtung Osten gibt es den einzigen Sandstrand von Sao Nicolau. Die Lady "parkt" 100 Meter davor und Natale spielt Strandhäschen, was uns begeisterte Mails beschert. Auch ich versuche mich als Beachman, komme aber nur ins Bildarchiv für die Reiseberichte. Das hat man nun davon. Später passieren dann noch ganz blöde Sachen an diesem Strand. Ein deutscher Skipper wird von einem Hai angefallen. Aber dazu liest man dann wohl wirklich besser im Logbuch am 06. November 2001 nach...

Baden ist schön, aber eben irgendwann langweilig und somit geht es weiter zur Insel St. Luzia, die auf dem Weg nach Mindelo liegt. Segeln ist schön und mit der Lady sowieso. Wie erwartet kommen wir auch auf dieser Insel an. Dank TRANSAS unserem Sponsor halten wir immer den Überblick, sonst würde wohl unsere ganze Reise sehr viel länger dauern. Es ist schon ein ganz schönes Ratespiel manchmal an den Umrissen vom Horizont zu erkennen wie die Landform sein soll und dem GPS zu trauen, wo doch die Augen etwas ganz anderes meinen. Nun ja. Das kennt Jeder, der segelt.

Auf Santa Luzia finden wir einen Felsen im Wasser, der wohl mal eine Insel werden wollte, der uns etwas schützt vor dem immerwährenden Atlantikschwell. Die Insel ist karg und es ist schrecklich romantisch, was uns wiederum vom Weiterfahren abhält. Ein akuter Arbeitsanfall beschert uns einen reparierten Verklickerer und den Beginn des Kampfes gegen eine Luftblase im Kompass. (Der Kampf hält weiterhin an !) Der Ankerplatz hat es in sich. Wir reden stundenlang über Ziele, Wege, Pläne, Wünsche und Vorstellungen... ein paar Tage später ist alles wieder anders. So ist das beim Fahrtensegeln. Die ganze Welt kann sich in kürzester Zeit unzählige Male mit einem selbst um die Sonne drehen.

Mindelo heißt das nächste Ziel und Micha meckert etwas, wie gewöhnlich, wenn der Kurs auf eine Metropole anliegt. Natale freut sich, Glasperlen tauschen zu können und mal wieder Auspuffgase um die Nase zu haben. Nun gut. Der Weg ist nicht weit und Mindelo erscheint im Nachmittagslicht am Horizont. Erster Eindruck, wie so oft auf den Kapverden: HEISS ! Unser Anker fällt eine Bootslänge von dem nettesten Schiff im Hafen, der französisch - argentinischen SY CORTO.

Unser deutscher Freund Hannes ist auch da und führt uns etwas ins Mindeloleben ein. Plätze, Strassen, Kneipen und Geschäfte. Ein buntes afrikanisches Treiben mit allen Dingen, die wir seit ein paar Wochen vermissen. Fast schon kann man hier endlich mal wieder kaufen, was man haben will und nicht kaufen, was es gerade so gibt, so wie es eigentlich auf allen kapverdischen kleineren Inseln ist. In den Chinaläden gibt es mächtig viel Ramsch, aber auch ansonsten bekommt man alles, was man eigentlich nicht braucht. Nun ja. Afrika ist eben gewöhnungsbedürftig.

Jetzt könnte ich wirklich stundenlang über Mindelo und unsere Erlebnisse schreiben. Doch ich will eigentlich nicht über eine Zeit schreiben, in der auch nicht besonders viele Bilder entstanden sind. Vom 22.09. - 12.10.01 erzählt das Logbook der IRON LADY seine eigene Geschichte.
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