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Oktober 99 -
Viele graue Wolken - oder die Zeit nach der Sonne


05.10.99 15:19
53:04.00 N
05:20.22 E
Motorstundenstand: 663
Schleuse Kornwedersand / NL
Wir haben schon lange kein Logbuch geschrieben. Die ganzen Sommermonate sind wir eigentlich immer mit diversen Freunden aufs Ijsselmeer gefahren und dann  meist  Richtung Medemblik. Außer Vorfahrtsregeln haben wir eigentlich nicht viel gelernt. Nathalie und ich sind ziemlich genervt von der ganzen Rödelei. Wir haben uns vorgenommen im nächsten Jahr nicht mehr so viele Freunde mitzunehmen.
Nun ja, und nun sind wir aber wieder in Makkum, haben zwei Wochen Zeit und davon geträumt nach England zu segeln. Kurs 225, wie mein Papa mir heute per Mail mitgeteilt hat. Danke Papa, aber doch nicht bei BFT 9, oder? Die Zeiten sind doch nun wirklich vorbei. Wir gehören jetzt eher zu den vorsichtigen Seglern. Oder? Das wird sich in den nächsten Jahren schon noch zeigen.
Also haben wir erst mal zwei Tage auf dem Boot verbracht, nachdem wir angekommen sind. Einen Tag um die Geburtstagsfeier von Jana wieder zu vertreiben und den nächsten Regentag um endlich den ganzen Kabelsalat in der Navigationsecke hinter eine neue Holzverkleidung zu bringen. Jetzt ist endlich wieder Platz. Eigentlich ja eher weniger, aber der ganze Kabelsalat is wech.
Heute hat der Wind etwas nachgelassen. Wir wollten um 6 raus und zur Schleuse, dann auf die Waddenzee, leider verschlafen. Ach Gott. Wir haben uns ja auch vorgenommen unser Schicksal demnächst zu akzeptieren. Tun wir hiermit.
Das Schicksal führte mich denn dazu die Motorbilge zu kontrollieren, siehe da, etwas Regenwasser von der Steuersäule ist durchgelaufen. Also kopfüber rein und Bilge putzen. Super Tag. Beim Schmieren der Wasserpumpe fällt mir die Einlaßschraube in die Bilge, unter den Motor. Unerreichbar für 1,90 und kräftig Hände, Nathalie ist im Dorf und spielt „Geldautomat ärgere Dich“. Ich bin ja nicht dumm und fange an, einen Magneten zu suchen, finde auch einen und ein Seil. Die Schraube sehe ich unerreichbar unter dem Motorblock liegen. Und aus Edelstahl, wie ich dann bemerke. Trottel, passiert mir nicht noch einmal.
Zum Thema Schicksal sei noch gesagt, daß Nathalie die Schraube herausgeholt hat. Mit Ihrer Hand und so, nachdem Sie mir erst einmal die Treppe vom Niedergang auf den Rücken fallen lassen hat.
Aber jetzt liegen wir an der Schleuse. Morgen früh um 6 gehen wir raus. Nächstes Ziel Den Helder.
nächster Ölwechsel fällig bei 717
Ölwechsel bei 617 gemacht
Irgendwann im August und nicht eingetragen. Ich kann mich aber noch erinnern.


06.10.99 11:28
52:57.76 N
04:46.91 E
Motorstundenstand: 668
Den Helder Yachthafen / NL
Gerade sind wir in Den Helder eingelaufen. Das Wetter war gemischt, aber recht gut. 5 Bft NWW. Ca. 18 Grad, bewölkt. Wir mußten natürlich wieder die Hälfte des Weges durch die Waddenzee motoren, aber ab morgen ist ja offenes Meer angesagt. Der Hafen ist natürlich ganz toll. Es gibt tolle Duschen für uns Segler, die aber leider ab dem 1. Oktober geschlossen sind. Fängt ja gut an. Restaurant und Strandbudenverleih auch geschlossen, da hatte ich mich schon so sehr auf eine kuschelige Strandbude mit Nathalie gefreut, aber daraus wird wohl wieder nichts. Nathalie ist mit Lunge fast schon fertig (Fachbereich Lernerei fürs Staatsexamen). Na, und Den Helder haben wir schon mal mit dem Auto erkundet, war nicht so prickelnd, aber wer weiß. Für die kommenden Tage ist weiter das Wetter wie bisher angesagt, also eigentlich gutes Segelwetter mit 5-6 Bft, na gut morgen sogar 7 Bft, der Wind ist somit prima. Aber wie es immer so ist, genau daher, wohin wir wollen, aber darüber können wir uns morgen ja noch ärgern. Vielleicht kommt ja alles auch ganz anders. Keine Sorge, ich werde heute den Schmiernippel von der Wasserpumpe noch nicht einmal anschauen.

07.10.99 05:53
52:57.84 N
04:43.27 E
Schulpengat / Nordsee
Pünktlich wie die Schulkinder sind wir ausgelaufen. Nathalie hat mal wieder ein perfektes Ablegemanöver hingelegt. Jetzt müssen wir im Schulpengat erst mal gegen die Strömung bis auf´s offene Meer. Das Wetter ist super: Bewölkt, klarer Sonnenaufgang, ca. 16 Grad, Westwind 4-5, Wellenhöhe 1-1,5 Meter.
Optimal um bei halben Wind in Richtung Ijmuiden zu segeln. Der Wind soll zwar SSW drehen, aber wir sind ja sehr früh dran.

07.10.99 13:06
52:27.58 N
04:33.58 E
Ijmuiden / NL
Über Navtex sehen wir gerade, die Sturmwarnung von heute morgen 7:05 UTC. Da waren wir natürlich schon draußen und mit Wind und See beschäftigt. Immerhin hatte Navtex Recht. Im Laufe des Vormittags wurde aus 4-5 schnell 6-7 Bft. Die Wellen wurden auch immer mehr. Aus dem halben Wind wurde gar nichts, frei nach Murphy´s Law gab es Wind und Welle aus SSW, also daher wo wir jetzt glücklich im Hafen liegen. Ca. die Hälfte des Weges kämpften wir gegen die rauher werdende See an, mit dem halben Großsegel als Stützsegel und Genua schön eingerollt. Ich erinnerte mich an Beschreibungen vom Roten Meer, wo der Wind immer aus Nord kommt und diese Art von Segellei sehr beliebt ist, dann aber direkt für 6 Tage und mehr. Spezialität des Roten Meers ist, daß man dort von den angrenzenden Völkern und ihren Rebellen gerne als Zielobjekt russischer Armeeüberreste benutzt wird. So aus Spaß halt. In Gedanken an solche Erzählungen durchquerten wir also das Übungsgebiet der Niederländischen Armee, die dort auch eine Torpedoübungsstrecke besitzen soll, erwarteten den großen Knall und das jähe Ende all unserer Träume...
Aber nichts passierte, nur der Wind frischte weiter auf und bescherte uns einen herrlich sportlichen Segeltag, Welle mit 2,5 bis 3 Meter von vorn übers Vordeck und Kirmes ganz umsonst. Rauf, runter, rechts herum und links herum. Tage an denen man sich doch manchmal fragt, wem eigentlich die Idee gekommen ist, das Segeln anzufangen.
Kurzum sind wir außer Ijsselmeer ja auch in den letzten Wochen nicht so sehr sportlich gesegelt, direkt werden wir seekrank, sobald wir uns in den Bauch unseres eisernen Unterseeboots begeben. So was legt sich nach ein paar Tagen, das wissen wir auch. Der Begriff Unterseeboot prägte sich im Übrigen beim Besuch der Toilette am heutigen Tage. Wenn man dort aus dem Bullauge schaut, fühlt man sich ein bißchen wie im Löbbeke-Aquarium. Eintritt frei.
Ab der halben Strecke, das Wetter frischte weiter auf, könnten wir die Fock ein bißchen heraus rollen und den Wind und die Strömung nutzen um das uns selbst und ohne Zwang auferlegte Ziel zu erreichen. Dies ging jetzt auch richtig flott und die Füße der Reling zogen sportlich durchs Wasser. Gustav, die Selbststeuerung zog mit uns an einem Seil.
Die Einfahrt nach Iimuijden gestaltete sich etwas aufregend, da das Handbuch von Querschlagen und „Gefahr von Boot auf Steine setzen“ faselte, aber besser man geht mit Vorsicht daran. Wir entschieden uns, unter Segel in den Hafen zu laufen, damit das Boot nicht so schlingert, was denn auch super geklappt hat, wir haben in dem ansonsten nur zu 20% belegtem Hafen einen schönen Stegplatz in Lee erwischt und brauchten dann allerdings etwas Zeit bis wir die Iron Lady da hatten, wo sie hinsollte. Durch den Starkwind war es fast unmöglich das Boot mit den Festmachern an den Steg zu positionieren.
Duschen kann so schön sein. Nach tagelanger Katzenwäsche eine wirkliche Erholung. Für den Rest des Abends haben wir weiteres Planen auf Morgen verschoben.

09.10.99 19:10
52:05.80 N
04:16.05 E
Scheveningen / NL
Etwas gefrustet sitzen wir nun an einem Samstagabend auf unserem Boot und fragen uns, was das Hafenhandbuch wohl mit „schönem alten Seebad mit vielen Zerstreuungsmöglichkeiten“ gemeint hat. Um es kurz zu machen, Scheveningen hat im Oktober ungefähr soviel Charme, wie ein englischer Vorort bei Liverpool in einer schwarzhumoristischen englischen Kinokomödie....Die Hochhäuser sind groß, die Reihenhäuser klein und alle gleich und der Himmel grau in grau...
Nun aber erstmal zu unserem gestrigen Tag. Da in Ijmuiden am Hafen außer Industrie und ein bißchen Strand nichts zu finden ist, haben Micha und ich uns nach dem Frühstück entschlossen doch noch auszulaufen und dieses schöne alte Seebad anzulaufen. Kurze Crewbesprechung mit sämtliche schlauen Büchern im Salon, alles klar, laut Revierführer ist der Strom die ganze Zeit mit uns, das verspricht trotz Am-Wind-Kurs mind. 5 kn/h also höchstens 5 Stunden bis nach Scheveningen. Um 12.30 Uhr laufen wir dann auch aus, bißchen viel Welle wieder zwischen den Molenköpfen und davor, zwischendurch ist mir dann der Schreck in die Glieder gefahren, als sich das Boot für 10 Sekunden gar nicht mehr steuern ließ, aber Micha hat dann übernommen, erstmal Stützsegel gesetzt, und für eine Weile ist dann Ruhe eingekehrt.
Und wir warteten.
Auf den angesagten Wind aus West.
Auf die Strömung nach Südwest.
Eine Stunde später warteten wir immer noch, die Strömung immer noch gegen uns und der Wind aus WSW. Zu allem Übel schläft der auch manchmal ein, also alles Tuch raus, kaum sind die Segel alle gesetzt, fallen wieder gemeine Böen ein, so daß wir reffen müssen, kaum sind u.s.w...... Nach ein paar Stunden habe ich dann noch ein paar Strömungstafeln um Rat gefragt, die mir gesagt haben, was wir schon ahnten, daß nämlich im Revierführer folgenschwere Druckfehler sind. Aus der Traum vom enormen Geschwindigkeitszuwachs durch Stromunterstützung, stattdessen mußten wir die ganze Fahrt über tatenlos zusehen, wie unsere Iron Lady zwar mit voller Fahrt durch die Wellen surfte, von den 6 Knoten aber unterm Strich nur 3-4 übrigblieben....
Dazu kamen dann natürlich unangenehme Wellen, immer wieder ein bißchen Regen und ab und zu mal eine kurze Meldung der inneren Organe an den Kopf. War nie schlimm, niemand hat die Fische gefüttert, grün ist nach wie vor eine uns völlig unbekannte Farbe, aber nerven tut`s doch. Will man sich ja eigentlich auch nicht eingestehen. Wir sind ja schließlich seefest, sozusagen mit Seemanns-O-Beinen auf die Welt gekommen, und dann soetwas, gibt`s doch gar nicht.
Kurz und gut, für 25 sm waren wir fast 8 Stunden auf dem Wasser, mußten Scheveningen im Halbdunkel anlaufen, was erstaunlicherweise hervorragend geklappt hat, und waren alles in allem total entnervt.
Doch kaum waren die Leinen fest, setzte der sogenannte Hafen-Alzheimer ein. Man findet ein Restaurant in dem es erstklassige Steaks gibt, klopft sich gegenseitig auf die Schulter, freut sich, wie toll man das wieder hingekriegt hat und alles Böse ist vergessen.
Morgen geht’s zurück nach Ijmuiden, und dann vielleicht nach Amsterdam, mal sehen........

10.10.99 17:14
Ijmuiden / NL
Wir sind heute mittag von Scheveningen aus im raumen Kurs nach Ijmuiden zurückgekehrt. Im Verhältnis von Zeit und Wind ließ sich ein weitere Fahrt Richtung Süden nicht realisieren. Auch die weitere Wetterlage hätte hierbei keine Änderung gebracht. So ne Scheiße, ich hasse es den selben Weg zurückzufahren, aber es ist wohl nicht zu ändern. Der Kurs zurück war auf jeden Fall super angenehm. Wind mit 5 BFT von hinten, Selbststeueranlage und ordentlich dicke Wellen. Unser Lieblingskurs. Das kann unser Boot halt auch prima. Weitere Vorkommnisse gab es nicht, bis auf die Tatsache, daß wir für die gleiche Strecke die Hälfte der Zeit benötigten.
In Ijmuiden sind wir jetzt gerade durch die Schleuse in den Nordseekanal Richtung Amsterdam gegangen. Ich sitze in der Plicht, korrigiere ab und an Gustav, der lenken soll, und wir schippern so langsam gen Amsterdam. Wenn wir keine Lust mehr haben, werden wir irgendwo anhalten, um zu schlafen. Unterwegs sollen noch zwei Marinas sein. Amsterdam hat eh seinen Reiz, das braucht man wohl eigentlich nicht weiter zu erklären. Man fühlt sich halt so wie ein Binnenschiffer. Hat aber auch was. Ich geh mal den Tabak suchen.

11.10.99 15:59
Amsterdam / NL
Da es so dunkel war, haben wir die Marinas leider nicht gefunden und sind gestern Nacht noch nach Amsterdam durchgefahren. Wir liegen in der Marina Sixhaven, gegenüber vom Hauptbahnhof. Es ist gar keine Marina, korrigiert mich gerade Nathalie, sondern ein Vereinshafen.
Den bisherigen Tag haben wir damit verbracht, erst einmal drei Stunden auf engstem Raum manövrieren zu üben. Das können wir jetzt, und als Belohnung haben wir einen seitlichen Stegplatz. Die Liegegebühren betragen nur die Hälfte des üblichen Solls. Nach 5 Minuten Fußweg erreicht man die Fähren zum Bahnhof, die alle 6 Minuten gehen, nachts durchgehend alle 12 Minuten. Kosten nichts, Überfahrt dauert Minuten, dementsprechend haben wir unseren Tag mit Stadtwandern verbracht. Jetzt tun uns die Füße weh, und wir sitzen wie Oma und Opa in der Plicht unseres schwimmenden Schrebergartens...


14.10.99 12:39
52:28.61N
05:09.38E
Markermeer / NL
Mit Motor und Segelunterstützung laufen wir gen Enkhuizen, um dort durch die Schleuse ins Ijsselmeer zurückzugelangen. Der Wind kommt wie immer von vorn. Das wird sich ja wahrscheinlich auch in den nächsten Jahren nicht mehr ändern. Oder?
Die Stimmung auf See im Oktober ist immer etwas depressiv. Die Segelboote fahren mit heruntergelegtem Mast, vorn und achtern auf Holzstützen abgelegt. Alle sind warm angezogen. Die Wintersaison naht. Alles richtet sich auf den Winterschlaf ein. Eine Stimmung, die auch leicht auf uns übergehen kann.
Amsterdam war da schon etwas gegenläufig. Wir haben drei Tage lang Amsterdam erkundet, mit all seinen schönen und aber auch traurigen Gesichter. Das Leben in Amsterdam ist hektisch, zumal wenn man von See kommt und die vielen Autos, Menschen, Ampeln, Trams und überhaupt, die ganze Hektik einen doch eher verwirrt. Am ersten Tag konnten wir doch recht froh sein, nicht unter die Räder gekommen zu sein.
Insgesamt aber doch eine schöne Unterbrechung des ansonsten so seglerisch betonten Urlaubs.
Langsam können wir uns den Heimatgedanken nicht mehr widersetzen, es naht der Alltag in Düsseldorf, die Arbeit, die kleinen und großen Probleme die auf uns warten, die Erzählung der Freuden, die natürlich nicht gewartet haben. Doch die Erinnerung vergißt die Probleme meist schneller, als die schönen Momente. Das macht das Leben doch lebenswert...
Also mir war gar nicht so schlecht unterwegs. Grins.
Nathalie lernt jetzt ohne dringliche Aufforderung...Das letzte Staatsexamen wartet auch nicht.
Jetzt macht sie mal zwischendurch eine Standortbestimmung und stellt fest, es sind noch 2,5 Stunden bis Enkhuizen, dann werd ich mal wieder unsere Internetdomain pflegen... Micha hat übrigens eine neue Lederjacke von der Waterlooplein in Amsterdam, soll ich schreiben. Wahrscheinlich ist sie vom Lastwagen gefallen oder als blinde Fracht auf irgendwelchen Gigatankern zollfrei aus Nordafrika eingelaufen. Aber schön ist sie und natürlich preiswert, sehr wichtig, denn dieses Boot verschlingt schließlich immer wieder Unsummen....Seit neuestem funktionieren die Petroleumbrenner nicht mehr vernünftig, auch mein toller Schrauber vermag da nicht mehr viel auszurichten ohne Ersatzteile. Seit Tagen haben wir morgens keine frischen Brötchen mehr, da die Temperatur im Backofen allerhöchstens finnische Saunatemperatur erreicht....Wer schon mal versucht hat in einer Sauna Brötchen aufzubacken, weiß wie frustran dieser Versuch ist.
Im Moment herrscht gerade eine der Phasen von „af en toe zon“, hebt die Stimmung, hoffentlich hält’s ein bißchen an.
Die Niere ruft.....das soll reichen....


14.10.99 20:40
Enkhuizen / NL
Geschafft, nach unendlichen Strapazen bei der Überquerung des Markermeers schafften wir die Einfahrt in den Enkuizener Hafen. Wer hätte das gedacht. Wir brauchten vier Versuche die Iron Lady in die Nähe der Festmacher zu bringen. Der Hafenmeister verwies uns immer wieder mit Schulterzucken an einen anderen Platz; und immer wieder blieb die Iron Lady im Schlick stecken. Erinnern wir uns da nicht an was ??? Hörnum ? Helgoland ? Tja aber; in Enkhuizen waren wir doch schon mehrmals, ohne daß es sich hier um einen Tidenhafen handelt.
Fragezeichen stellten sich mir bildlich im Kopf als typographische Bildcollage.
Was ist passiert? Die Holländer haben Saisonende. Da wird der Wasserstand des gesamten Ijsselmeers einfach um einen halben Meter abgesenkt. Die Deutschen sind weg, und auch ansonsten gibt es kaum noch Segler. So etwas kann es nur in Europa geben. Ein eh künstliches Meer wird bei Bedarf einfach abgesenkt und die Tiefenangaben der amtlichen Karten stimmen nicht mehr.
Ansonsten vertreiben wir uns die restliche Urlaubszeit mit langen Schlafperioden, Beziehungspflege, Fußkraulen, Lesen...
Äh – Lernen.

15.10.99 13:21
52:55.97N
05:17.60E
Ijsselmeer / NL
Wir stehen gerade in Höhe von Hindeloopen, Kurs 0 Grad Richtung Makkum. Das Wetter ist bedeckt. Seltener als selten kommt noch einmal die Sonne heraus. Der Wind kommt mit BFT 3 aus NO, was für die Iron Lady allerdings zu wenig zum Segeln ist. Die Sicht ist mittelmäßig, die Temperatur so um 14 Grad. Kein Regen. Wir laufen unter Motor mit 1800 Umdrehungen Marschfahrt. In ca. einer Stunde werden wir in Makkum versuchen anzulegen. Das Problem ist, ob wir überhaupt in unsere Box kommen, bei dem Wasserstand.
Ich sitze in der Plicht und genieße die ruhige Marschfahrt. Gustav steuert.
Nathalie liegt in der Hundekoje, mit leichten Kopfschmerzen ist sie eingeschlafen, nachdem ich Ihr eine Aspirin verpaßt habe. Auf dem Radar sehe ich, was um mich herum passiert und kann so in Ruhe Logbuch schreiben, muß nicht ständig aufstehen und Rundblick machen.
Insgesamt war es eine erholsame Zeit, aber viel zu kurz, um aufregende Segelerlebnisse zu haben. Man kann das Wetter halt nicht verändern. Gottlob, etwas, was man einfach hinnehmen muß. Am Schiff und der ganzen Technik haben sich keine Probleme ergeben, bis auf den Petroleumherd, mit dem ich mich wohl erst noch anfreunden muß. Aber das sind Dinge, die man im Winter oder Frühjahr in aller Ruhe angehen kann.
In Makkum werden wir die Segel herunternehmen und das Boot winterfest machen. Da es quasi im Süßwasser liegt, sparen wir uns die Kosten für einen Landliegeplatz und werden es im Frühjahr für ein paar Wochen an Land stellen, dann werden wir das Unterwasserschiff überprüfen, das Überwasserschiff werden wir neu streichen, vielleicht schon in Blau mit unserem Fisch am Bug. Wir werden sehen. Dieses Logbuch werden wir hiermit erst einmal beenden, ins Internet stellen. Für die grafische Gestaltung der Internetseiten wird sich im Winter bestimmt Zeit finden.
Wir freuen uns beide Aileen wiederzusehen.
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