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Weg
Mats
die Skipper
Chicas
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aufgebockt
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Rio Chepo
Promenade
Portobelo
Milena + Lars
Kris
muchachos
Touristeninsel
Sonntag
Oh, wie schön ist Panama...

Wie kann man nur so lange in einem Land bleiben, in dem andere Segler einlaufen und nach ein paar Wochen den Kanal durchqueren um das Land auf der anderen Seite Richtung Französisch Polynesien wieder zu verlassen? Ganz einfach: Zur falschen Jahreszeit ankommen, sich in das Land und deren Menschen verlieben, hängen bleiben. Gut, dass mein Visum nach sechs Monaten ausgelaufen war und wir dann doch wider Erwarten den Sprung über den Pazifik geschafft haben. Oder vielleicht auch nicht?

Schon die San Blas Inseln gehören ja eigentlich zu Panama, doch die Kuna Indianer sehen das anders und deshalb hat Natale über Kunayala auch einen eigenen Bericht geschrieben. Mein Werk fängt also mit der Ankunft in Isla Grande an. Mit Stephanie, Natales Schwester, als Besuch an Bord, verlassen wir die San Blas Richtung Isla Grande, einer kleinen, hübschen Touriinsel für die reichen Panamenos aus Panama City, die am Wochenende hierher kommen um sich zu vergnügen. Eine Nacht halten wir es auf dem rolligen Ankerplatz vor der Isla Grande aus, dann wird es besonders mir zu bunt. Ich will weiter, Isla Linton lassen wir links liegen und weiter geht es im Sauseschritt nach Porto Belo. Hier haben schon die alten Spanier ihre Goldschätze umgeschlagen. Wir dagegen sind ziemlich pleite im Moment und fangen komischerweise mal wieder mit dem Rauchen an. Die Zigaretten sind so billig und wir können unsere Finger nicht von den Glimmstengeln lassen. Das nach einem halben Jahr Enthaltsamkeit. Micha, Micha...

Ich fahre mit dem Bus alleine nach Colon, der nördlichen Hafenstadt und Eingang des Panamakanals, um mich von dem Schwesternpaar auf der Lady zu erholen, bekomme den ersten richtigen Eindruck von dieser berüchtigten Hafenstadt. Nur in einer der drei Hauptstraßen mit den ganzen großen Einkaufstempeln und den vielen kleinen Läden sollte man sich zu Fuß bewegen, Geldbörse in die Socken stecken und keine Tasche locker um die Schulter gehängt tragen. Überfälle auf der offenen Straße sind an der Tagesordnung. Die kleinen Nebenstraßen sind sowieso zu meiden. Besser man fährt eigentlich nur mit dem Taxi. All das erzählen einem die Einheimischen, die Polizisten, die Segler, die Reiseführer und sonst wer noch. Dementsprechend vorbereitet und manipuliert erobere ich Colon, streune durch die verbotenen Strasse. Es sieht aus, wie nach einem Krieg. Die ehemals prachtvollen Häuser sind fast verfallen, doch eben auch wunderschön. Armut prägt die Nebenstrassen und als eine Bande Jugendlicher hinter mir herläuft suche ich dann doch schnell wieder eine der rettenden Einkaufsstrassen auf. Stelle mir vor, wie es wäre, Fotos von all diesen Menschen zu machen, doch davor schrecke ich ab, habe einfach zu viel Schiss, vielleicht später mit einheimischen Aufpasser. Der Weg führt an einem Barbier vorbei, ich lasse mir den Mehrwochenbart abnehmen, fühle mich gleich wie ein neuer Mensch. Der Weg nach Hause führt am Yachtclub Colon vorbei, ein paar Freunde besuchen und die Ankermöglichkeiten schon mal begutachten. Colon wird nicht unbedingt in die Hitleiste eingetragen, doch ihren Reiz hat diese Stadt. Zurück geht es in einem dieser lauten, bunten Busse, überfüllt mit Schulkindern, Hühnern und Einkaufstüten.

Meinen ersten Eindruck verdauend, komme ich in das verregnete Porto Belo zurück. Es hat in Strömen geregnet, geblitzt und gedonnert, wie so oft in dieser Bucht, in der es, statistisch gesehen, am häufigsten in Panama regnet. Dazu ist eben Regenzeit. Besichtigt werden die alten Fortanlagen, das Dorf in dem fast nur schwarze nette Menschen leben und viel weiter kommen wir eigentlich auch nicht. Überhaupt verläuft die Zeit nach dem Besuch wie üblich komplett chaotisch. Ist der Besuch erst einmal wieder von dannen, fallen wir fast immer in ein großes Loch und wissen nichts mit uns anzufangen. Am besten hilft dann nur wegsegeln und irgendwo neu ankommen um die Entdeckerader neu aufflammen zu lassen. Nur hier liegen wir kurz vor dem Panamakanal und da wollen wir ja eigentlich noch gar nicht durch.

Die Zeit ist wirr, wir segeln noch mal nach Linton (Micha nackt auf dem Deck!) zurück. Dort ist es mit den vielen anderen Seglern wie in einer großen Familie und wir gewinnen Freunde an Land. Wie so oft erobern erst einmal die Kinder des naheliegenden Dorfes die Lady. Julissa und ihre Freundinnen, aber auch ihre Mutter, erobern unser Herz und machen uns wie immer das Weitersegeln schwer. Wir büffeln fleissig mit vielen anderen Seglern für unsere amerikanische Amateurfunklizenz. Tagelang hört man aus allen Booten das Dadidit des Morseübungsprogramms. Vier Wochen später ist die Prüfung, bei der lustigerweise nicht ein einziger Amerikaner, sondern nur Deutsche, Österreicher, Israelis und Brasilianer teilnehmen. Die neuen Rufzeichen müssen natürlich sofort gefeiert werden.
Wunderschön sind die Abende mit den anderen Seglern und zwischendurch besuchen wir noch einmal die Isla Grande. Traumhafte Karibikstrände zieren die Küstenlinie, in kleinen Bars wird nicht nur getrunken, auch ansonsten sind die Locals ein recht freudiges Volk. Die Menschen hier leben vom Meer, Fischfang gehört zum Tagesablauf, während die Isla Linton von Affen bewohnt wird, welche die Segler in den Nachmittagsstunden mit Bananen füttern.

In Porto Belo treffen wir unsere kanarischen Freunde und verbringen später noch eine Zeit im Rio Chagres etwas nördlich von Colon mit anderen Freunden, Brigitte und John von der luxuriösen Motoryacht „Gabrielle“. Verbringen dort eine wundersame Zeit des Wartens, weil Natale noch mal nach Deutschland fliegt, wir noch viel zu früh sind in der Zeit für den Pazifik, abwarten müssen. Hier und da müssen wir uns noch ein paar Dollar verdienen, für die Kanalpassage, Verproviantierung und einen Werftaufenthalt, der eigentlich gar nicht geplant war. Doch das ist alles normal mit kleinem Geld auf großer Fahrt, solche Meilensteine gehören auch dazu. Mit den anderen Seglern erforschen wir den dichten Regenwald um den Rio Chagres, ein ehemaliges Truppenübungsgebiet der amerikanischen Besatzungsmacht. Nur ein paar Meilen vom Panamakanal und dem Gatunsee entfernt, gibt es jede Menge Schlangen, Krokodile und Tukane. Über den ausgebaggerten Fluss, mitten durch den Urwald, fliegen kleine grüne Papageien jeden Morgen Richtung Colon und kommen abends ebenso laut schreiend den gleichen Weg zurück. Ich werde den Krach nie vergessen. Der Urwald reizt und mit Gummistiefeln und Machete geht es durch den Morast, an alten Eisenbahnanlagen vorbei, die die Franzosen hier hinterlassen haben, bei einem ihrer vielen Versuche, den Pazifik mit dem Atlantik zu verbinden. Der Panamakanal wird zum ersten mal aus der Ferne besichtigt. Unglaubliche Pötte werden hier durch den engen Kanal befördert. Von weitem sieht es fast so aus, als wenn die modernen Containerschiffe, groß wie Hochhäuser, einfach über Land gezogen werden. Das überflüssige Wasser hier wird zur Stromerzeugung genutzt. Es folgen viele Besuche Colons mit dem Bus und so langsam verlieren wir die erste Angst vor der Stadt und aus den Abenteuern werden Erlebnisse, bei denen man Land und Leute kennenlernt, Freunde gewinnt und mit einer absoluten Hilfsbereitschaft konfrontiert wird, sobald man erst einmal ein paar Worte auf Spanisch über die Lippen gebracht hat.

Irgendwann sind mal wieder unsere Geburtstage angesagt und die erste große Party steigt im Colon Yachtclub. Für ein paar Tage haben wir uns in die kleine, etwas bruchlastige Marina gelegt, die Lady zum Partyschiff umgebaut und ab geht es. Auch wenn die Segler sich nicht immer alle einig sind, so muss man immer wieder bemerken: Feiern können sie bis zum Umfallen. Noch Tage später leide ich an Kopfschmerzen. All unsere Freunde der letzten Monate sind angereist um Natales 30ten mit uns gemeinsam zu begießen. Sogar aus der fernen Lintonbay bekommt Natale Besuch und Geschenke. Glatt beneidenswert, wie beliebt diese Frau sein muss.

Die Panamakanalbezwingung steht an, und wie der Zufall es will, sollen wir am 29ten durch den Kanal. Das ist mein Geburtstag und ich werde dann meist eher etwas melancholisch und versuche Menschen in Massen zu meiden. Mann und Frau können an einem oder zwei Tagen durch den Kanal fahren. Je nach Geschwindigkeit des Schiffes und Lust und Laune der Piloten, die mitfahren und deren Anweisungen der Skipper Folge zu leisten hat. Man ist schrecklich nervös, doch nachdem sich das erste Schleusentor geöffnet hat und das einfließende Wasser das Boot hochhebt, verliert sich all das Gerede, das Gelesene. Die Nordseekanalschleusen sind auch nicht viel schwieriger zu meistern gewesen. Das Aufregende ist, wenn sich dann irgendwann die letzten Tore zum Pazifik öffnen und die Bridge of Amerika zeigt, die Nord- mit Südamerika verbindet. Das ist schon toll. Richtig eindrucksvoll und ein rückwirkendes Erlebnis.

Um die 6 Schleusen passieren zu dürfen, braucht man generell viel Crew. Zwei Leute, die die über 30 Meter langen Festmacher auf dem Vordeck händeln, zwei Leinenhändler achtern, der Skipper und der Pilot von der Kanalverwaltung. Die Arbeiter an den Schleusen schmeißen dann die Monkeyfaust, einen dicken Knoten mit einer Wurfleine, an Bord und ziehen dann die Festmacher zu den kleinen Loks, die das Schiff begleiten, während es mit eigener Fahrt in die Schleusen einfährt. Die Schleusen sind für große Containerschiffe gebaut und wenn dann so ein Ding hinter einem reinfährt und viele Meter über einem, ganz knapp hinter der Lady stoppt, da wird einem schon mal etwas anders.

Für Alle, die es verpasst haben oder einfach gern noch mal sehen wollen, gibt es an dieser Stelle das unglaublich tolle Video, das Carsten Broschek aus den Bildern der LiveCam am Panamakanal gebastelt hat. Der nette Mailkontakt mit dem Schleusenwart hatte dazu geführt, dass die Livecam direkt auf die Lady zoomte und die Daheimgebliebenen somit bei der Passage durch die letzte Schleuse, gewissermassen mit an Bord sein konnten.

Zum Öffnen des Videos einfach auf das Bild klicken.

Mats, ein Schwede fährt mit, weil er sein eigenes Boot dieses Mal erst einmal über den Nordatlantik zurück nach Hause bringen wird, er aber den Panamakanal gerne schon erleben will. Milena und Lars sind Rucksacktouristen, die uns im Yachtclub von Colon bitten, dieses Abenteuer miterleben zu dürfen und schlussendlich ist noch die niederländische Kris an Bord. Eigentlich eine zu viel und deshalb bekomme ich zu meinem Geburtstag gleich zwei Frauen in meine Koje. Na das hat sich dann ja doch gelohnt ;-) Das jetzt mein vierzigstes Lebensjahr beginnt und dies auf der anderen Seite des Kanals, wird natürlich ordentlich gefeiert und das mitten im Gatun See, mit Krokodilen und Mücken. Die Krokodile kommen nicht so nah, alle gehen schwimmen, nur ich nicht. Dafür sind die Moskitos um so zutraulicher zu mir.

Die letzte Schleusenausfahrt wird dramatisch mit Champagner auf Eis begossen und ich glaube, ich bin etwas Schlangenlinien gefahren unter der Bridge of the Americas. Es wird viel laute Musik gehört und ich höre zwischendurch merkwürdige Geräusche aus dem Motorraum. Ein Kratzen und Scheuern, doch jetzt anhalten geht ja nicht. Musik aus und noch mal in den Motorraum gehört, die Geräusche sind weg. Na Gott sei gedankt!

Neuer Ozean, neue Probleme! Johann unser Daimler bockt, das Unterwasserschiff ist von Blasen unter der Farbe befallen und überhaupt sind anscheinend alle im Moment gegen uns. Jeden Tag trudeln schlechte Nachrichten aus dem Heimatland ein, so dass man sich fast schon die alten Zeiten ohne E-Mail an Bord zurücksehnt. Negative Lebensperiode, nenne ich das mal mit dem Wissen, dass das Pendel in ein paar Tagen auch wieder in die andere Richtung ausschlagen wird.

Nach zwei Wochen Beratung von Dieselspezialisten reicht es uns. Wir verlegen in die Marina Flamenco, lösen alle Schrauben und Verbindungsleitungen, heben den gesamten Motorblock aus der Tiefe des Kiels und setzten ihn in der Küche ab. Frau Doktor fragt den Patienten, wo es weh tut und nach zwei Stunden wissen wir, wo das Übel steckt. Aus der Dämpfungsscheibe sind drei kleine Federn herausgesprungen und haben im trockenen Kupplungsgehäuse hinter der Schwungscheibe des alten Daimlers mächtig Krach gemacht. Die Platte ist schnell ausgebaut, der Motor wird wieder an seinen Platz versenkt. Zwei Tage später ist unser Ersatzteil spezialangefertigt und kostet uns nur 25 US Dollar. Motor wieder raus, eingebaut und alles ist perfekt. Die Einspritzdüsen werden auch gleich ausgetauscht, Johann von innen mit Diesel gereinigt, der Motorraum entfettet und prompt erfüllt Johann seinen Dienst wieder. Selbst ist die Frau und der Mann. Die Spezialisten hatten uns wärmstens ans Herz gelegt einen neuen Motor einzusetzen. Da sieht man mal wieder, wie das Leben so ist. Manche Gepflogenheiten sind auch auf der anderen Seite des Erdballs die gleichen.

Unserem Unterwasserschiff mit seinen Blessuren nach fünfzehnjähriger Fahrt können wir leider nicht so schnell und kostengünstig Hilfe leisten. Nach wiederum langem Hin und Her entscheiden wir uns schlussendlich doch fürs Sandstrahlen des Unterwasserschiffs. Der gesamte Farbaufbau ist irgendwie hinüber und drüberstreichen hilft nicht mehr. Im Inland von Panama finden wir eine Werft die tatsächlich noch sandstrahlt, andere Werften lehnen ab. Per Mail von der Lady aus treten wir in Verhandlung mit einer gewissen Elektra. Nach einigen Mails, hin und her, werden wir uns über die Konditionen einig.

Gesagt, getan und schon befinden wir uns auf dem Weg, den Rio Chepo hinauf. 30 Meilen weiter östlich finden wir das Flussdelta. Komplett versandet, die Tiefenangaben stimmen vorne und hinten nicht und wir motoren zwischen den Untiefen hin und her. Das Wasser unterm Kiel wird immer weniger, doch ein paar Fischer helfen uns, ein paar Peilungen werden ausgetauscht und schon geht es in den Urwald, etwa 16 Meilen den Fluss hoch. Der Cruising Guide geht nicht weit, dann sind wir auf uns selbst gestellt. Bei auflaufendem Wasser macht der Fluss eine Kurve nach der anderen und erst kurz vor Dämmerung erreichen wir mitten im Wald DIE Werft. Sofort kommt ein Mitarbeiter und hilft uns beim Festmachen an einer der riesigen Tonnen.

Die ganze Werft stellt sich als ein sympathischer, griechischer Familienbetrieb heraus. Wir sind das erste Segelboot, das hier herausgeslippt werden soll und überhaupt ist alles sehr aufregend. Die zahnbehaarte Elektra, so kam es uns bei den Preisverhandlungen vor, stellt sich als attraktive, nette und etwa zwanzigjährige Tochter des Besitzers heraus, die das Geschäft mit den Yachten aufbauen soll. Wir bekommen das Büro des Werftleiters mit Dusche und Toilette, sowie wichtiger Klimaanlage zur Verfügung gestellt. Prima. Alles läuft wie am Schnürchen. Elektra besorgt uns aus Panama alles, was wir brauchen zum Einkaufspreis. Jeder Wunsch wird uns von den Lippen abgelesen und die Lady wird gesandstrahlt. Die größte Sauerei, die ich je erlebt habe. Die Werft hat sich total im Preis verkalkuliert, da der alte Farbaufbau dem Sandstrahl so trotzt. 5 Tage, statt 2 Tage, da steht Jefe etwas schlecht gelaunt vor mir und teilt mir mit, dass er bei seinem Wort bleibt und der Preis bleibt auch, doch die Extratage auf Land sollen wir übernehmen. Gut. Wir sind einverstanden und jedes Stück freigelegter Stahl wird von uns nach Feierabend mit Epoxy überzogen.

Da steht die Lady aufgebockt, am rohen Material Stahl finden wir keine einzige Macke. Nichts ist zu schweissen, nichts zu reparieren. Na, dass beruhigt uns natürlich sehr. Schön, die gute deutsche Verarbeitung des Kaskos mal so nackt zu sehen. Man sieht keine Schweißnähte, alles ist rund und glatt wie ein Babypopo. Auch die Mitarbeiter der Werft kommen immer wieder und staunen über die Qualität des Rumpfs.

Überhaupt nehmen uns alle in ihr Herz auf, unsere Spanischkenntnisse öffnen mal wieder Tür uns Tor. Mittags sitzen wir mit der gesamten Werft unterm Wellblech und essen für einen Dollar fünfzig jeden Tag andere Reisgerichte. Am Nachmittag gehen wir die paar Schritte ins Dorf Chepo, gelegen an der Fuhrt zum berühmten und berüchtigten Landesteil Darien und schauen dem Treiben zu. Essen in einer kleinen Bar, kaufen uns eine Flasche Bier und genießen den Sonnenuntergang mit dem Blick auf die romantischen Boote der Bewohner. Es gibt keine Brücke. Alles wird mit kleinen Booten hinüber auf die andere Seite geschafft. Stiere und Pferde müssen durch die Fuhrt schwimmen und man fühlt sich in ein anderes Jahrhundert versetzt. Eigentlich hätten wir Lust, die Lady noch ein paar Tage on the hard stehen zu lassen und mit dem Rucksack in den Darien zu fahren, doch wie so oft stehen Traum und Wirklichkeit etwas auseinander. Die Zeit drängt, die Südsee ruft und es gibt noch so viel vorzubereiten.

Abschied von der Werft. Alle sind uns an Herz gewachsen, nicht nur die Mitarbeiter draußen auf dem Gelände, sondern auch im Büro und Elektra und ihr Vater. Natale sitzt wieder mit Pipi in den Augen da und wirklich hält uns dieser Ort magisch fest. Der Slipwagen ist im Wasser, die Flut kommt und eigentlich sollte die Lady jetzt aufschwimmen, doch die Tide reicht nicht. Hmm. So tauchen etwa 10 Mitarbeiter mitten in der Nacht auf und 15 cm mehr Wasser reichen dann doch. „Wann kommt ihr wieder?“, diese Frage sitzt mir bei jedem dieser Momente so sehr in den Knochen. Der Schmerz der Fahrtensegler.

Wir verbringen die Nacht zwischen zwei Bojen mit Leine vorne und hinten, als wir morgens loswollen hängen wir schon wieder fest. Die Lady steht auf dem Grund des Rio Chepos. Dieser Ort ist verhext. Wir fahren wieder in die Werft. „Da sind wir wieder!“, trinken noch einen Kaffee, schnacken noch ein bisschen hier und da. Mit genug Wasser geht es dann doch irgendwann los, den Rio hinunter. Abends liegen wir wieder zwischen all den anderen Booten im Balboa Yachtclub.

Abschied von Panama feiern wir auf unsere Art und Weise. Wir nehmen uns ein Taxi, fahren in die Altstadt, schlendern durch die Strassen und lernen Menschen kennen, den alten und den jungen Mann, die den Nachmittag singend mit offener Tür zur Strasse verbringen, die Kinder, die mal wieder nicht von der Linse der Kamera wegkommen, die Familie mit dickem Kind, das so lustig lacht. Es ist Sonntag und wir streunen durch die Gassen, an der Promenade entlang, fangen einen Pelikan mit unserer Kamera, nehmen einen Snack auf der Einkaufsstraße und schauen den Schuhputzern bei ihrer Arbeit zu.

Wir gönnen uns eine Abschiedsessen in einem richtig guten Lokal, fahren mit dem Taxi auf dem Rückweg an einer Schiesserei in der Vorstadt vorbei, sind geschockt und traurig und lieben Panama City trotzdem. Ja. Dieses Land hat uns gefangen, mit all seinen Gegensätzen und seinem Vorzügen und Nachteilen. Gefangen, beeindruckt und doch. Der Anker der Lady geht wieder auf und den Islas Perlas entgegen, auf dem Weg zu den Galapagosinseln.

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