Geschichten von Helden und Marschmusik
Es waren einmal eine Handvoll Fahrtensegler, die sich mitten im Pazifik
zufällig auf einem kleinen Atoll trafen... So oder so ähnlich
könnte die Geschichte beginnen, doch die Wahrheit war ganz anders:
KUTA und IRENA kommen gerade vollkommen blank nach durchzechten Nächten
in Papeete auf dem Weg nach Samoa an Rose Island vorbei. Naturschutzgebiet
unter amerikanischer Aufsicht. Jetzt heißt es einen Grund finden
anzuhalten. In solchen Momenten haben Fahrtensegler plötzlich Motorprobleme
oder müssen dringend einen Riss im Segel nähen. Der Zufall
ist eher schon geplant auf 14.135 Mhz, weil da quatscht man beim Segeln
morgens und abends und verabredet sich. Also streift auch das Kielwasser
der IRON LADY, unterwegs vom Suwarrow Atoll ebenfalls nach Samoa, Rose
Island. Gut das die Amerikaner gerade wichtigeres zu tun hatten, als
das Naturschutzgebiet zu kontrollieren. Rose Island liegt wie die verbotene
Frucht einfach auf dem Weg. Vielleicht vier Meilen im Durchmesser, ein
kleines Atoll,
viele Vögel
mit Familie
und nachts ein paar Schildkröten, die ihre Eier vergraben. Nun,
wir wollen weder die Vögel stören noch die Eier ausgraben,
lediglich ein oder zwei Nächte Ruhe für den nächsten
Schlag. Mit Brad,
Schelmi und Henning gehen wir ein bisschen Speeren und Schnorcheln
durch das wunderschöne unberührte
Riff, essen, trinken und lachen herzhaft
und viel. Das Meer brandet wie wild gegen das Außenriff
und wir liegen geschützt wie in Mutter´s Schoß in unserem
kleinen Heim. So haben wir uns das immer vorgestellt, das Fahrtensegeln.
Nach drei Tagen aber schon juckt es unter den Hufen und gemeinsam stechen
die drei Yachten in See, weiter nach Samoa. Die Backskisten sind nach
Suwarrow komplett leer, die Wassertanks ebenso, Sprit jeglicher Art
sowieso und auf Samoa lockt Duty Free.
Gesagt getan. Die Überfahrt verläuft friedlich und schon
stehen wir vorm nächsten Island. Ofu heißt sie, die Insel,
und schon wieder verboten. Wegen der Amerikaner, ist doch klar, weswegen
auch sonst? Es gibt das unabhängige Westsamoa und Amerikanisch
Samoa. Die Insel Ofu gehört zu Amerikanisch Samoa. Wer da hin will
muss eigentlich erst nach Pago Pago auf American Samoa, einklarieren
und darf dann gegen 20 Knoten Tradewind zurücksegeln, 70 Meilen
nach Ofu. Na, so ein Blödsinn. Also haben wir einen Notfall, unser
Motor bockt und gemeinsam mit KUTA
laufen wir friedlich in Amerika ein ohne Visum. Oho, das stinkt so sehr
nach Ärger, gegen den Wind, dass wir, gerade angekommen, erst einmal
beschließen in die Kirche zu gehen. Hier sind alle hochgläubig
und schon haben wir ganz Ofu hinter uns, es ist Sonntag und wir liegen
an der Pier.
Alles ist prima, wir halten ein Auto auf der steinigen Straße
an und schon zeigen uns die Einheimischen ihre ganze Insel. Zurück
gibt es keinen Wagen und wir laufen Stunde für Stunde. Vorbei an
den wunderschönen Stränden
und netten Dörfern. Die Locals, wie immer super freundlich, Natale
wird eine Muschelkette um den Hals gehängt und eine riesige Muschel
ziert nun neben den hundert andern die Lady von innen. Immer wieder
stehen die Fale
am Wegesrand, offene Häuser unter denen sich das Leben abspielt.
Mit zwei Omas sitzen wir und ruhen uns aus. Neben dem Fale liegt Opa
unter der Erde. Die Verwandten werden meist im Vorgarten unter Kacheln
begraben, oben drauf kann man herrlich sitzen oder Wäsche trocknen.
Andere Länder, andere Sitten. Spät am Abend kommen wir endlich
wieder an unseren Booten an. Ein wunderschöner, unvergesslicher
Tag.
Montag morgen, also wie im ehrlichen Leben, bekommt der Hafenmeister
aus Pago Pago mit, das wir friedlich in Ofu liegen und nicht unseren
Motor reparieren, sondern die Einheimischen zum Bier einladen. Das geht
natürlich prima schief. Ich habe mich sofort telefonisch bei ihm
zu melden. Eine cholerische Stimme am anderen Ende der Leitung gibt
mir zu verstehen, dass wir gegen das amerikanische Recht verstoßen
haben und American Samoa gesetzeswidrig betreten haben. Wir haben sofort
Pago Pago anzusteuern und uns den Gesetzeshütern zu stellen. Sollten
wir nicht am nächsten Morgen einlaufen würde Herr Hafenmeister
sein Tug Boat zur Bergung der IRON LADY nach Ofu senden. Auf unsere
Kosten selbstverständlich! Ich erspare mir die Diskussion, dass
die Amerikaner das doch ständig in anderen Ländern machen
und unsere Intervention nun doch somit auch Rechtens ist und lege einfach
auf. Das habe ich mit cholerischen Telefonpartnern schon immer so gemacht.
Innerhalb einer Stunde haben wir den doch eigentlich so freundlichen
Ort verlassen und segeln außerhalb der 12 Meilen Zone! um America
Samoa herum nach West Samoa. Der Hafenmeister kann mich mal. Via Bodenstation
und FAX teilen wir ihm mit, dass wir Amerika wieder verlassen haben
und auch wegen widriger Wetterverhältnisse nicht anlaufen können,
was sogar der Wahrheit entspricht.
West Samoa stimmt unsere aufgewühlten Gemüter wieder gütig.
Nette Beamte, die an Bord kommen, die Preise sind nach Papeete nun wieder
etwas angenehmer, die Samoaner gut
genährt. Auf dem Markt gibt es Alles
und die Alten trinken Kava zum Frühstück.
Die Menschen auf dem Markt sind nett
und freundlich. Apia, so heißt die Hauptstadt ist sauber und ordentlich.
Es gefällt uns hier, in Unamerikanisch Samoa und ein Grund zu bleiben
ist mal wieder die PETIT PRINCE mit unseren Freunden Siggi und Jürgen
(der, der eigentlich seit Panama schon immer nur nach Hause an die Eider
will). Lange, feuchte Canastanächte halten uns fest im Hafen und
das erste Mal probieren wir gemeinsam ein Päckchen Kava. Es passiert
nicht viel, erst am nächsten Morgen sitzen wir in der Sonne und
lächeln alles und jeden an. Nicht unsere Droge entscheiden wir,
aber das wird sich später noch ändern.
Die Temperaturen sind mehr als heiß. Die beste Möglichkeit
ist mittags auf dem Markt rumzuhängen und eiskalte Kokosnüsse
zu trinken, den Kavarausch der letzten Nacht zu vergessen und dann,
wenn die Sonne im Meer versinkt wieder neue Gründe zum feiern zu
finden.
Kultur ist uns aber auch wichtig und so geht es am nächsten Morgen
auf den Platz vor dem Regierungsgebäude. 1899-1914 stand Samoa
noch unter deutscher Verwaltung, was einige Wurzeln im Land zurück
gelassen hat. Die eindrucksvollste Erinnerung ist die allmorgendliche
Fahnenparade
der Polizei mit preußischer Blasmusik.
Schon lustig so etwas, dass die das toll finden.
Unser nächstes Ziel naht. Wir haben das gemacht, was wir eigentlich
so ungern machen, wir haben einen Termin. Zu einem bestimmten Zeitpunkt
an einer bestimmten Stelle im Pazifik. Unser Freund Malte kommt nach
Fiji zum Tauchen. Das treibt uns an mit den Prinzen noch schnell eine
Inselrundfahrt zu machen. Wir mieten uns einen dicken Vierradantriebjeep
für einen ganzen Tag und fahren einmal um die Insel. Es gibt viel
zu sehen und zu erleben. Mein ganz persönliches Highlight ist eine
Wasserfall,
ein schattiger Platz an dem es sich aushalten lässt. Natale fotografiert
wieder fremde Pflanzen
für ihre Mama.
Die Menschen in vielen Dörfern wohnen wirklich noch traditionell
in den offenen
Fale. Beim Besuch stellt man sich beim Chef vor und bekommt dann
vielleicht die Genehmigung ein paar Bilder zu schießen, doch wir
fühlen uns irgendwie gehandicapt Photos von anderer Leute Wohnzimmer
zu machen.
Die Samoaner sind teils recht zurückhaltend. Angekommen am schwarzen
Strand treffen wir auf eine Familie die unter einem dieser Fale
sitzt. Die Eltern sprechen freundlich mit uns, zeigen uns den Weg, aber
die jungen Mädchen werden vorher weggeschickt. Erst als wir um
die Ecke kommen, dürfen sie wieder zurückkommen. Eigenartiges
Erlebnis. Doch das gehört immer wieder dazu. Andere Länder,
andere Sitten. Der Strand ist schön, doch wir sind da ja etwas
verwöhnt und trollen uns bald wieder den unwegsamen Weg durch den
Busch zurück. Wieder geht es vorbei an den Missionarrelikten
einer nicht all zu fernen Vergangenheit.
Es treibt uns in den Norden der Insel und die Strecke zieht sich. Natale
will in ein abgelegenes
Dorf, wo die Männer leben sollen, die traditionelle Kavaschalen
schnitzen. Die Schalen sind wie etwas überdimensionierte Salatschüsseln
zu verstehen aus einem Stück Holz gearbeitet, etwa vier Zentimeter
dickes Hartholz. Natürlich hätten wir gerne auch so eine Schale,
die Prinzen haben schon in der Stadt zugeschlagen. So etwas beginnt
dann immer mit einer Natale-Micha Diskussion! Wo bringen wir das Prunkstück
denn unter auf der Lady. Alles hat seinen Platz und einen Keller, den
haben wir zwar, aber der ist schon von Johann, unserem Daimler besetzt.
Wir werden freudig und neugierig von den Kindern
begrüßt! Die Schnitzer sind nicht da oder arbeiten gerade
nicht. Verhalten wird uns angeboten über Nacht zu bleiben, mehr
aus der Möglichkeit ein paar Cents an uns zu verdienen als aus
Freundlichkeit, so kommt es mir vor. Aber egal. Können wir eh nicht,
auf der PETIT PRINCE wartet Bootshund Julie und die lassen wir eben
so und so nicht über Nacht alleine. Es geht den schlammigen, steinigen
Weg zurück. Portion Abenteuer Off Road, nur gut das es nicht anfängt
zu schütten. Landschaftlich
ist Samoa der Hit. Doch es reicht, wir wollen alle zurück nach
Hause, aufs Boot eben. Wir erreichen wieder die Ecke
um Apia. Noch zwei Kanister Petroleum von der Tankstelle, bald schon
stechen wir wieder in die See, was auch sonst. Der Trip nach Fiji soll
nicht der gemütlichste sein. Aber das machen wir schon. Wir freuen
uns auf Malte und natürlich auf alles was der Arme aus Deutschland
mitbringen muss. Hähä ;-)
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