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Pelikandame
und ihr Gatte
Prominenz
Rapa Nui
Serena
Tony
Peter
Trinidad

Trinidad - das Paradies der Fahrtensegler ?

Trinidad war nach drei Wochen erster verregneter Karibik-
eindrücke auf Tobago eine klare Ernüchterung. Hannes von
der SY VITE VITE führte uns kurz nach unserer Ankunft in
Chaguaramas, dem Seglertreff, ein und zeigte uns
das gesamte Gelände via Dinghy.

Eine riesige abgezäunte Area, mit mindestens 200 Booten vor
Anker, mit der fünffachen Menge an Booten an Land - ein
riesiges Wassersportzentrum. Es gibt bestimmt 8 verschiedene
Marinas, Restaurants, Supermärkte, acht Internetcafes und Unmengen an Schiffsausstattern, Segelmachern und was weiß
ich nicht noch alles...

Fazit: 2000 Meilen über den Atlantik führen nicht unbedingt in die
Einsamkeit! Hier ist das größte Wassersportzentrum, das ich
jemals gesehen habe. Alles ist mit Schranken versehen, an
denen Tag und Nacht Wachen stehen und die jede Bewegung
auf dem Gelände kontrollieren. Ein kleines Fleckchen Erde für Segler und die Wohlhabenden von Trinidad. Sogar einen
Yachtclub gibt es, der Farbigen keinen Zutritt gewährt, es ist
kaum zu glauben.

Für den Einen ist das Sicherheit pur, für uns ist das nichts
anderes als ein Ghetto. Das man mit den Einheimischen
schlecht Kontakt bekommt, ergibt sich wie von selbst und trotzdem ist es uns gelungen. Wir wurden nicht überfallen,
nicht verschleppt und lediglich von den lokalen Supermärkten
und Schiffsausstattern wurde unsere Kreditkartenabrechnung
attackiert.

Vieles ist in der Zeit auf den Kapverden und bei der Atlantik-
überquerung kaputtgegangen, die Lady braucht viel Arbeit und
Liebe. Doch zunächst warten wir auf Ersatzteile aus Deutsch-
land, eine Erfahrung, die mir jetzt noch die Schauer über den
Rücken laufen lässt. Wochenlange Lieferungsdauer inmitten all
der Weihnachtspost, unberechenbare Zollabfertigungen,
Papierkram, Kosten. Im Endeffekt entpuppte sich der
schließlich erhaltene Dichtungssatz als der falsche; den
benötigten Simmering haben wir in einem gut sortierten Laden
in Port of Spain gefunden. Sich etwas aus Deutschland
schicken zu lassen, lässt man wohl besser wenn es nicht
irgendwie notwendig ist. Wieder was dazugelernt.

Was war das Schönste an Trinidad? Ganz einfach, die
Pelikandamen und ihre Gatten. Diese Tiere begleiten einen
zumindest bis Kolumbien, wo ich jetzt gerade sitze und diesen
Bericht schreibe. Diese Tiere sind einfach wunderschön
anzusehen und beim Fliegen und Jagen sind sie so toll-
patschig, dass es einen immer wieder erheitert.
Kurz darauf kommt Chacachachare. Eine Inselgruppe, 4 Meilen
westlich gelegen, Fluchtort, wenn einem in Chaguaramas
irgendwann die Decke auf den Kopf fällt. Dorthin haben wir
regelmäßig verlegt. Natale hat sich mit Serena dick an-
gefreundet, und Peter und ich hatten uns auch eine ganze
Menge zu sagen. Somit lagen die SY MOMO und die Lady oft
zusammen vor Anker und an Bord wurde gearbeitet. Nützliche
Dinge wie ein unbedingt notwendiges Sonnendach für die Lady
entstanden auf Serenas alter Singernähmaschine, Schäden der
Atlantiküberquerung wurden ausgebessert und viele Partys mit
vielen anderen Schiffen zelebriert. Eine wirklich schöne Zeit.

Meist, wenn Hannes mit seinem Katamaran VITE VITE in die
Bucht einlief, kamen die großen Delfine in die Bucht ge-
schwommen. Zum ersten Mal in unserem Leben hatten wir die
Möglichkeit, mit diesen riesigen Tieren in freier Natur zu
schwimmen. Als erstes lernt man dabei, dass freilebende Tiere
zwar neugierig sind und spielen wollen, allerdings nur mit
Spielgefährten, die so schnell sind, wie sie selber oder es
zumindest versuchen. Folglich hieß dies, raus in die Mitte der
Bucht und flossenschwimmen, so schnell es geht. Dann
kommen die Tiere neugierig herbei, in einer atemberaubenden
Schnelligkeit auf einen zu, drehen kurz vor dem Zusammenstoß
ab und verschwinden in der Tiefe der Bucht. Ein einziges Photo
konnte ich unter Wasser machen. Über Wasser gab es nur ab
und an die Finnen unserer Spielgefährten zu sehen. Da half
auch nicht der sehnsüchtige Blick von Serena.

Die Tage um Weihnachten und Sylvester bieten viel Anlass zum
ausgiebigen Spazieren auf Bergen um die Chacachacare. Weit
weg von der Kälte Europas schnorcheln wir in den kleinen
Buchten und dem kristallklaren Wasser, erklimmen die Berge
und genießen vom Leuchtturm aus den Blick in die Technik, die
Stromversorgung und vor allem den Ausblick nach Venezuela.
Alles ist Grün und die Blüten sprießen was das Zeug hält.
Nix Kälte, nix Weihnachtsdepression.

Die Sylvesternacht feiern etwa fünf internationale Segelschiffe in
der verlassenen Krankenstation der Insel. Früher wurden hier
Leprakranke isoliert von ihrer Umwelt von Nonnen betreut. Ein
recht eigenartiges Gefühl. Viel Zauber, Musik und Rumpunsch
geleiten uns in das neue Jahr. Mit dabei trinidadische Freunde.
Einer davon ist Tony. Der Master of Sailmaker in Chaguaramas
rettet dann auch unser Focksegel in den nächsten Tagen für
einen freundschaftlichen Preis und ich schmeiße die Angebote
aus aller Welt für ein neues Segel schnell weg, damit mir bei
den Preisen nicht wieder schwindelig wird.

Viel gute Vorsätze brauchten wir uns im neuen Jahr nicht
zu machen. Die Lady erledigte dies für uns. Die flexible
Verbindung des heißen Auspuffsystems reißt an einer Stelle
unter der Isolierung und unbemerkt verrußte der ganze im Kiel
liegende Maschinenraum mitsamt Motor. Eine große Schweinerei. Alles ausbauen, reinigen und wieder zusammen-
setzen. So hatten wir uns den Jahresbeginn nicht vorgestellt.
Die Ersatzteilbesorgung war dabei das kleinste Übel. Gerade
mal drei Tage Rennerei und schon war das Rohr neu
angefertigt und passt wie angegossen. Glück gehabt.

Die Zeit dieser Reparatur verbrachten wir regungslos, da
manövrierunfähig, abseits des großen Ankerfeldes neben der
RAPA NUI, einen großen Wharram - Katamaran mit Hans, dem Skipper, drei Kindern und Frau, seit Jahren auf den Weltmeeren
zu Hause. Seine spannenden Erzählungen und Tipps über
Schweine - und Ziegenjagd, seine Suppe mit selbstgeräucher-
tem Speck werden mir für immer in Erinnerung bleiben. Ob
Natale und ich auch mal so werden? Das fragten sich auch
unsere Familien als sie die Logbuchberichte lasen und schon
prasselte es Mails, ob wir jetzt auf Ziegenjagd gehen wollen.

Auch unsere Freunde von der Thalassa, Karla und Bobby
Schenk vertrieben sich die Zeit in Chaguramas, allerdings am
Steg, weil man nach 15 Büchern keine Lust mehr hat vor Anker
zu liegen (erklärte mir Bobby später in Kolumbien). Bobby geht
mit der Thalassa in Trinidad noch mal raus um sein Unter-
wasserschiff neu malen zu lassen, will dann recht schnell durch
den Panamakanal in den Pazifik. Die Beiden sind viel normaler,
als man sich das von so bekannten Weltumseglern vorstellt
und einfach nett. Ein paar Mal sehen wir uns, plaudern über die
üblichen Themen, über Bücher, Software und Internetseiten.

Vor Ort wurden deutsche Abende, mit trinidanischen Steel-
bands, von deutschen Schiffen organisiert, an denen Deutsch
die vorherrschenden Sprache ist und Kochrezepte, sowie jede
Menge Seemannsgarn ausgetauscht werden, Nicht ganz unser
Geschmack. Ganz im Gegenteil gab das den Vorgeschmack auf
den trinidadischen Karnevalrummel, zusammen mit den vielen,
teilweise flottillenweise eintreffenden Yachten, und so langsam
schnaubten Natale und ich durch die Nüstern und rieben die Hufen. Venezuela hieß das Ziel. Besser gesagt die Testigos, eine kleine Inselgruppe auf dem Weg zur Insel Magarita. Also schnell versorgen und ausklarieren.

Doch wir waren noch gar nicht fertig mit unserer Arbeit. Der
frisch erstandene Simmering verlangte installiert zu werden. Wir
klarierten aus und segelten in die nahgelegene Scotlandbay,
wo alles auseinandergenommen wurde. Mein Vater schrieb mir
mal, dass ich immer irgendwie glücklich und zufrieden
aussehe, wenn ich schrauben muss. Also irgendwie finde ich,
er verwechselt das. Ich habe mich damit abgefunden, dass
immer alles kaputt geht und ich derjenige bin den es trifft. Doch
die Umgebung für die Reparaturen ist wunderschön, die Brüll-
affen geben abends in der Bucht Konzerte, viele nette Menschen
liegen mit ihren Booten in der Bucht und der Strand erlebt den
ein oder anderen Grillabend.

Trinidad, die Zeit der großen Reparaturen endet damit, dass wir
endlich fertig sind mit allem und den Anker lichten wollen, um
nach Venezuela zu starten. Natale drückt auf den Knopf: Die
Ankerwinde funktioniert nicht mehr. Kabelbruch in der Steuerung
der Schaltmagnete. Trinidad will uns nicht loslassen,
so kommt es mir vor. Doch das Problem ist schnell behoben
und nur zwei Stunden später sind wir im Drachenmund auf dem
Weg zu den Testigos, Venezuela.

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