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Los christianos
Micha und Luis
Travelift
Ramon arbeitet
...in den Seilen
alles meins
aufbocken
soviel arbeit
baustelle
soviel geld
verdünnung ...
neugierige...
überlegen
planen
pinseln
streichen
Alex
frischer glanz
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transportservice
stauraum
ein meer aus ...
zurück ins wasser
wasser unterm ...
weg
...nach der arbeit
Stahlbürstenpeeling, Epoxymaske und Antifoulingbad - Eine Woche in der Schönheitswerft Los Christianos

Es ist soweit, seit zwei Wochen ist die fast einjährige Phase des Getrenntseins von Micha und mir vorbei.

Die Schapps beherbergen meine Kleidung, die Küchengeräte befinden sich auf einmal an neuen Plätzen und mein Schuhe liegen zum Leidwesen von Micha in allen Ecken.


Mit anderen Worten, die erste Eingewöhnungsphase ist vorbei und es wird Zeit, die Lady für ihren Trip über die Kapverden und den Senegal in die Karibik vorzubereiten. Ein Jahr Salzwasser und viel Sonne haben sie altern lassen, das Antifouling hat sich stellenweise in Nichts aufgelöst, am Rumpf zeigen sich hässliche Rostnasen und die Schraube ist vor lauter Seepocken kaum noch zu erkennen.

Werft ist angesagt und auf den Kanaren ist es gar nicht so einfach, einen Termin zum Kranen zu bekommen, wie wir nach langem Telefonieren feststellen müssen - und vor allem nicht ganz billig !
Im Endeffekt helfen wieder einmal der direkte Kontakt und die Fähigkeit Spanisch zu sprechen. In Los Christianos an der Südküste von Teneriffa, einen Katzensprung von Gomera entfernt, wenden wir uns direkt an Ramon, den Chef des Travelliftes. Besonders gesprächig ist er auf Anhieb nicht. Aber auf die Frage nach einem Termin, den wir telefonisch nicht bekommen haben, räumt er uns, nach gutem Zureden seines Gehilfen Luis, ab dem morgigen Tag eine Woche ein.

Mit Herzklopfen nähern wir uns am nächsten Morgen um 9 der Box, wo die Lady in die Luft gehoben werden soll. Schwell und Wind im Hafen machen die Sache nicht einfacher und die Angst, die Gurte des Liftes könnten nicht halten, ist allgegenwärtig. Im Nu bildet sich eine Menschentraube aus Touristen, Fischern und Kindern, die das Schauspiel ebenfalls verfolgen wollen.
Ohne laute Worte und mit viel Gefühl platziert Ramon mit seinen Helfern die Gurte und die Lady wird sanft aus dem Wasser gehoben. Luis kriecht auf dem staubigen Boden vor der Lady um sicherzustellen, dass immer eine Handbreit Luft unterm Kiel bleibt.
Innerhalb einer Stunde ist unsere Gute perfekt aufgebockt, und uns bleibt nichts anderes übrig, als das Ausmaß der Baustelle zu betrachten. Dasselbe Spiel, wie vor einem Jahr in Holland erwartet uns. Tagelang schleifen, spachteln, streichen, doch diesmal bei 30°C im Schatten !

Unsere Arbeitswut erstaunt uns selbst. Nach dem Reinigen des Unterwasserschiffes legen wir gleich mit den Schleifarbeiten los. Blaumänner werden aus den Schapps geholt, und die nächste Woche sieht man Micha und Nathalie nur noch staubig, dreckig und farbgesprenkelt. Die Fischer der Cofradia ziehen neugierig ihre Runden um uns, schließlich sieht man hier nicht so häufig eine Frau mit Werkzeug in der Hand.

Allerdings gibt es vier weibliche Wesen, die die Cofradia fest in der Hand haben. Fatima und Elena arbeiten von morgens bis nachmittags in dem Restaurant auf dem Gelände. Sie kennen jeden, sind immer gutgelaunt, auch im größten Stress, kochen hervorragend und bemuttern uns auf eine nett-ironische Art vom ersten Tag an.
Nach kurzer Finanzbesprechung und -planung sind wir uns einig, dass wir schneller arbeiten werden, weniger Zeit verlieren und somit weniger Gebühren zahlen müssen, wenn nicht einer von uns zwischendurch kochen muss. Naheliegend also, dass wir unsere Pausen von nun an in der Bar Cofradia verbringen.

"Ramon, a la oficina" klingt eine herrische Stimme mindestens 10 mal am Tag durch die Lautsprecher über das gesamte Werftgelände. Sie gehört einer der beiden Secretarias, die das Büro fest im Griff haben. Anfänglich ein bisschen eingeschnappt, da Micha sich an ihnen vorbei einen Platz erschlichen hat, hat er sie schnell besänftigt und für viele Besorgungen eingespannt. Dachte er, bis ein lautes "Miguel, a la oficina" ihm klar machte, wer hier wen regiert.

Und wir pinseln weiter. Micha kümmert sich um den blauen Teil der Lady. Stundenlang sitzt er auf der Arbeitsbühne und zeichnet mit Akribie die Schrift und den Fisch nach, während ich am Boden hocke, Macken zuspachtel, Roststellen bekämpfe und das Antifouling ein ums andere Mal auftrage.
Zwischendurch das obligatorische Fachsimpeln mit anderen Bootseignern. Alex, ein Werber aus Los Christanos, hat von einem Deutschen ein DDR-Stahlboot gekauft und benutzt nun seinen Sommerurlaub um das Schiff von Grund auf zu renovieren, direkt neben uns. Eine Stereoanlage ist nicht notwendig, wir haben Alex, der den ganzen Tag entweder schief pfeift oder singt.

Der Sonntag war unser Lieblingstag. Alle Fischer und anderen Arbeiter sind bei ihren Familien, und wir haben die Werft für uns allein. Normalerweise gibt es Sonntags keinen Strom, aber bei der letzten Überprüfung der Zeitschaltuhr, die ab 20:00 alles abschaltet, wurde der Sonntag vergessen. Boxen raus, Manu Chao und Reggae treiben uns für die letzten Arbeitstunden an. Der überwiegende Teil der Arbeit ist geschafft und wir belohnen uns mit Filetsteaks und Sekt.

Die nächsten Tage vergehen leider mit viel Geldausgeben, Ramon besorgt uns Jemanden, der den Kühlschrank repariert. Das Kühlaggregat hat ein Leck und muss ausgetauscht werden. Gott sei Dank funktioniert der Kompressor noch !
Der Anker, den angeblich ich verbogen habe, wird mit Hilfe von Thomas wieder geradegebogen. Thomas kommt aus Ghana und lebt seit ein paar Jahren auf Teneriffa auf einem Boot. Auf der Werft hat er sein eigenes kleines "Freiluftbüro" und führt Reparaturen jeglicher Art durch. Mit der Cofradia hat er einen Vertrag geschlossen. Sie lassen ihm die Werft sozusagen als Arbeitsplatz, vermitteln ihm den einen oder anderen Job, dafür kauft er das nötige Material im Büro der Cofradia. Leider kommen nicht mehr so viele Segler nach Los Christianos, seitdem das Gerücht entstanden ist, dass man nicht mehr im Hafen liegen darf, so dass sich auch seine Kundschaft verringert hat.

Die letzte große Aktion, die wir von Land aus starten, ist das Bunkern. Viele Grundnahrungsmittel und insbesondere Konserven, sind auf den Kapverden und in der Karibik sehr teuer, wenn man sie überhaupt bekommt. Auf Teneriffa gibt es den letzten großen Supermarkt bis Panama.
Drei Stunden ziehen wir mit sechs Einkaufswagen und einer fünf seitenlangen Liste durch die Gänge und horten kanisterweise Olivenöl, kiloweise Nudeln, Spaghetti, Mehl, Butter in Dosen und was man sonst noch alles braucht. Zu Michas Freude gibt es Rittersport in allen Sorten, zu meiner Freude Weingummi von Haribo !
Die Kassiererin kichert in der halben Stunde, die sie braucht um unsere Karren durchzugehen. Es ist ihr ein Rätsel, wie man soviel einkaufen kann.

Am nächsten Morgen wird der Einkauf vom Supermarktfahrer auf die Werft geliefert und Luis hilft mit dem Gabelstapler beim Einladen. Ein ganzer Tag geht dabei drauf, die Lebensmittel sicher zu verstauen und Listen anzulegen, was wo zu finden ist.

Nichts hält uns nun mehr auf dem Trockenen, für den nächsten Tag ist der Rückzug ins Wasser geplant. Die vier Damen werden noch mit Blümchen von uns beglückt. Wir beide haben schon fast wieder Wasser in den Augen, so wohl haben wir uns in der Cofradia gefühlt.
Morgens um 11 rücken dann Ramon und Luis mit dem Travellift an. Im Nu hängt die Lady in den Seilen und wird vorsichtig ihrem Element übergeben.

Und wir ? Hängen plötzlich in einem Loch - der Arbeit und Anspannung der letzten Woche beraubt. Der Tauchkurs auf El Hierro wartet auf mich, doch zuvor wollen wir uns noch ein paar Tage auf Gomera mit unseren Freunden Zipi und Tom von der SY La Complice in der Thunfischbucht gönnen.
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