Tauchen auf El
Hierro
Die Kanarischen Inseln liegen vor der Afrikanischen Westküste und
stellen eines der ersten Gebiete dar, bei der die Iron Lady zum Tauchboot
wurde. Auch auf Madeira und den Islas Selvagens, die zwischen Madeira
und Lanzarote liegen, haben wir schon einige Tauchgänge absolviert,
bei denen allerdings mehr Material und Ausrüstung erprobt und getestet
wurde.
Der ökologische Zustand der kanarischen Inseln ist im Allgemeinen
als traurig zu bezeichnen. Ehemals hat das örtliche Klima mit Wassertemperaturen
zwischen 20 und 24 Grad sicherlich optimale Bedingungen für die Unterwasserflora
und -fauna dargestellt, doch lange Zeit wurde hier, wie im Mittelmeer,
Dynamitfischen betrieben. Die Druckwelle des explodierenden Sprengstoffs
zerreißt den Fischen die Schwimmblase, die Tarierweste dieser Lebewesen,
und elendig verenden sie an der Oberfläche der See und brauchen von
den Fischern nur noch eingesammelt werden.
Dynamitfischen ist schon lange verboten, doch das ökologische Gleichgewicht
hat sich bis dato noch nicht wieder eingestellt. Größtenteils
bringen die Fischer mit konventionellen Methoden vergleichsweise wenig
Fisch in ihre Heimathäfen. Der Fisch wird entweder von großen
Fischerbooten, draußen auf offener See gefangen oder kleinere Fischerboote
angeln mit elektrisch angetriebenen Tiefseeangeln den Fisch aus großer
Tiefe bis zu tausend Meter. Die marokkanische Meerbrasse wird viel gefangen,
auf Madeira der Espada (schwarzer Degenfisch). Die Küstenregionen
sind meist leergefangen und die ansässigen Tauchschulen hüten
angefütterte Zakkis und Muränen
wie ihren Augapfel um ihren Gästen eine Attraktion zeigen zu können.
Der Ammenhai stellt eine weitere Attraktion dar.
Eine Ausnahme ist El Hierro. Ein Naturschutzreservat im Süden der
Insel um Restinga will die Unterwasserwelt vor der Abfischung schützen
und kontrolliert Fischer und die derzeit fünf ansässigen Tauchschulen
in ihrer täglichen Arbeit. Das Taucherparadies unter den kanarischen
Inseln ist gerade bei den Spaniern vom Festland sehr bekannt, die im August
zu Scharen einfallen.
Hier haben wir Kontakt zu Günter und Jutta gefunden, die seit einigen
Jahren die einzige deutschsprachige Tauchschule am Ort mit Erfolg führen:
Fan Diving Hierro. Schon kurz nach der Ankunft der Iron Lady wurden wir
freundlich begrüßt und in die Gewohnheiten und gesetzlichen
Vorgaben des Tauchgebiets eingeführt. Einige Tauchgänge haben
wir hier genossen, die für kanarische Verhältnisse einzigartige
Unterwasserwelt kennengelernt.
Einen der schönsten Tauchgänge
habe ich wie folgt beschrieben:
Mein erster Manta.
Unglaublich ! Da muss ich erst 12 Jahre durch die Weltgeschichte reisen,
um den halben Globus fliegen und dann tauche ich mehr oder weniger zufällig
am Punto Mirador, keine 30 Meter von der Küste entfernt und falle
über einen Mantarochen, genauer gesagt ein Teufelsrochen.
Geil. Einfach supergeil. Wahnsinn. Ich habe das Grinsen vom Steuerbord-
bis zum Backbordohr.
Natürlich übertreibt man ja doch immer, aber der Fisch war sooooooooooo
lang. Nein wirklich, mindestens 2,5 Meter, mit mindestens drei Schiffshalterfischen,
an der Unterseite angedockt. Geil. Einfach geil. Upps: Ich bin wohl wirklich
noch immer ganz aus dem Häuschen.
Aber das war noch nicht alles: Ein monströser Zakki
liegt auf genau 40 Metern am Sand und will eindeutig ein gekochtes Ei.
Der geht gar nicht weg. Zwanzig Zentimeter vor meiner Brille schauen wir
Auge in Auge. Was ein Vieh. Günter, von Fan Diving, zieht ab in eine
kleine Höhle und winkt wild. Hinterher und im Schein seiner Lampe
wartet ein weiterer Zakki
nur darauf: Flups, Flups, erntet er die im Dunklen verborgenen Garnelen
ab. Geil. Fünf Meter weiter in der nächsten Höhle, ein
Schwarm von Gelbschwanzmakrelen oder sind es schwarze Makrelen ? Ich bin
eindeutig überfordert. Vollkommen berauscht müssen wir langsam
an den Rückweg denken, vorbei an Schwärmen von Drückerfischen
und Brandbrassen. Barakudas
schwimmen über uns. Günter liegt unter mir am Grund und wühlt
in einem Haufen Steinen herum. Neugierig stoße ich dazu, siehe da,
ein Pulpo
in seiner Höhle. Günter versucht, ihn mit den Fingern spielend
herauszulocken, aber Herr Pulpo ist müde, man sieht nur seine Saugnäpfe
nach den Steine greifen...
Einige Tauchgänge
folgten und wir waren besonders von den Tauchgängen an der raueren
Südostküste begeistert, die allerdings nicht unbedingt bei starkem
Wind mit dem Boot erreichbar sind, oder besser gesagt nicht jedermanns
Sache sind, weil hoher Wellengang schon mal zu abenteuerlichen Ausfahrten
führen kann. Doch befindet sich ein Highlight-Tauchplatz gar nicht
weit weg von den ca. 12 bekannten Tauchplätzen. Der Hafen von Restinga
! Hier scheinen sich gerade nachts alle Unterwasserlebewesen der Umgebung
zu treffen. Rochen, Sepia
und diverse Muränen
geben sich die Hand zum Gute Nacht sagen. Aber vor allen Dingen die kleinen
Lebewesen, die man eigentlich nur sieht, wenn man sich eine Handbreit
Wasser vor das Riff legt, die sich mit unserer Kameraausrüstung nicht
fotografieren lassen, lohnen die Betrachtung. Spinnen und Unterwassertausendfüssler.
Allgegenwärtig sind auch kleine Kofferfische,
deren Namen ich leider nicht kenne. Tagsüber, vielleicht auch manchmal
nachts ist mit der Restingasuppenschildkröte
zu rechnen. Wer weiß, hinfahren und selber suchen ist die Devise.
Haie gab es keine. Das ist auch eigentlich ganz gut so. Davon werden wir
bestimmt noch mehr sehen, als uns lieb ist. Aber sind die Schwärme
von Zebrabrassen nicht auch wunderschön anzuschauen ? Es ist
schon schwierig genug, all diese Unterwasserwelten
mit der Kamera festzuhalten.
Ein guter Tauchguide ist allerdings schon notwendig, Günter neigt
dazu jeden Stein umzudrehen, und allen alles zu zeigen. Entsprechend wird
es manchmal ein bisschen Rudeltauchen, aber kann man es denn jedem Recht
machen ? Mir, dem Wnuk, schon mal gar nicht. Alles O.K., fragt Günter
und auf zu neuen Erlebnissen. Da wo anscheinend nichts ist, leuchtet er
von unten mit seiner Lampe auf eine wunderschöne
Qualle und ihre Schönheit erstrahlt erst in diesem Licht. Hätte
ich sie denn ohne Guide gesehen ? Wahrscheinlich nicht. Und im Riff
gibt es viel zu sehen, was man alleine vielleicht niemals sehen würde.
Man taucht ja auch nicht jeden Tag in dieser wunderschönen
Landschaft. Leider keine Korallen, denkt man beim ersten
Blick und der Guide zeigt einem wo die getarnten
Unterwasserlebewesen leben. Tja: hinterher, weiß man immer mehr.
El Hierro ist vulkanischen Ursprungs. Dies ist an
der bizarren Unterwasserwelt auch deutlich zu sehen. Felsformationen stürzen
sich in unendliche
Tiefen und siehe da, auch Korallen
gibt es, wenn man weiß wo diese zu suchen sind. Aufregendes Eintauchen
in Unterwasserhöhlen
am Playa Brava ist mir leider wegen ungünstigen Wetters nicht möglich
gewesen, aber was soll's, jetzt sitze ich gerade auf Cabo Verde, schreibe
diesen Bericht und schlage mich mit Riffhaien und viel schlechterer Sicht
herum.
Nach einer kurzen Zeit, die uns noch einmal nach Gomera führte, trieb
es uns wieder nach El Hierro. Natales Tauchkurs war noch zu absolvieren
und auch für mich kam das Tauchen dabei nicht unbedingt zu kurz.
Auf einem ganz normalen Tauchgang, bekam ich im Rückspiegel noch
mal kurz den Mondfisch
zu sehen und die Kugelfische
von El Hierro werden mir sicherlich mein Leben lag in Erinnerung bleiben.
Ob es auch die kolossalen Barsche
am Desierto bleiben werden, wird die Zeit unserer Weltumsegelung zeigen.
Doch die Bilder
am Riff, die so einladend zum Fotografieren sind, werden sicherlich
lange in meinen nächtlichen Träumen eine der Hauptrollen spielen.
FAN Diving Hierro verfügt über eine sehr informative deutschsprachige
Homepage, wo man weitere Informationen zu diesem für die Kanaren
einmaligem Tauchplatz bekommt. Nathalie hat Ihre Tauchausbildung für
die Weltumsegelung bei Günter absolviert und ohne zu lügen,
eine ungewöhnlich gründliche Ausbildung. Also, nix wie ab nach
El Hierro, einem der letzten Unterwasserparks von Europa.
Siehe auch www.el-hierro-tauchen.de
Fotos: Michael
Wnuk, FAN Diving El Hierro, Andrea Hilpert |